Alte Begriffe aus dem dörflichen Leben

Hier aufgeführt ist eine Auswahl heute meist längst verschwundener Begriffe (nicht nur) aus dem dörflichen Leben unserer Vorfahren, und deren Bedeutung:

Abgaben, Gebühren, Dienste: Bede (von Bitten Gebot) und Zehnt (der 10te Teil von tatsächlich erzeugten Früchten und anderen Gütern) waren Abgaben der bäuerlichen und bürgerlichen Grundbesitzer, also landesherrliche bzw. grundherrliche Steuern. Daneben gab es u.a. Hand- und Spanndienste (siehe unten). Zur Unterhaltung der Diener der Kirche, also des Pastors und des Küsters/Lehrers, gab es feste und zufällige Abgaben an Kirche, Pastor und Küsterei, z.B.: Meßkorn (Damit der Pastor die Messe halten kann), Eier, Schulgeld, Torf, Holz. Außerdem gab es Fuhr- bzw. Fahrdienste. Des weiteren wurden für alle kirchlichen Handlungen Gebühren erhoben. Da es noch keine Kirchensteuer gab, waren diese ein Teil der Einkünfte des Pastors. Mit der Zeit wurde statt Naturalien immer mehr der Gegenwert in Geld verrechnet.

Adjunkt: ein junger Pfarrer zur Unterstützung in Gemeinde, ohne selbst der verantwortliche Pfarrer zu sein. Im Falle des Poeler Pastors Randow war dessen Sohn sein Adjunkt und späterer Nachfolger.

Ackerbürger: stadtbewohnender Landwirt, der seine Ländereien von seinem städtischen Wohnsitz aus bewirtschaftete.

Affectionskind: italienisch: "Affezione" bedeutet u. a. "Zuneigung", also ein Kind der Liebe; eine aus-schließlich von Pastor Rohn verwendete Bezeichnung für ein nichteheliches Kind.

Allmende: in frühreren Zeiten ein im Besitz der Dorfgemeinschaft befindliches Grundeigentum, z.B. die Gemeinde-weide, deren Recht auf Nutzung allen Gemeindemitgliedern / Dorfbewohnern zustand.

Altenteiler, -in: übernahm ein Kind den Hof (i.d.R. der älteste Sohn oder Mann der ältesten Tochter), zogen die Eltern auf das “Altenteil” – auf Poel ein Katen auf dem gleichen Hof gelegen. Das Altenteil bei den Kätnern hingegen war meist nur eine Kammer im gleichen Katen.

Altschuster: ein Flickschuster, besserte Schuhwerk aus.

Amtmann: der oberste Dienstmann eines vom Landesherrn zur Territorialverwaltung von Gutshöfen, Burgen und Dörfern geschaffenen Amtes. Er trieb im Amtsbezirk die Steuern ein, sprach Recht und sorgte für Sicherheit und Ordnung.

Anerbenrecht: der älteste Sohn bzw. Schwiegersohn der ältesten Tochter übernahm normlerweise den Hof. So sollten Erbteilung und Zersplitterung des Hofes vermieden werden.

Ausbauten/Abbauten (außerhalb des Dorfes): entstanden nach der Separation der Feldmarken meist in abgelegenen Teilen der Feldmark (z.B. Fährdorf Ort, Weitendorf-Hof)

Ausgeberin: verwaltetete den Haushalt bzw. die Hauswirtschaft einer anderen Person und stand dieser vor. Bezeichnung die zumeist auf dem Lande gebräuchlich war und das weibliche Gegenstück zum Verwalter darstellt.

Bälgentreter: der die Bälge tritt, d.h. der Orgel durch Betätigen der Bälge Luft zuführt.

Bauer (Vollbauer, Hausmann, Hauswirt, Hüfner): Landwirt, welcher im Gegensatz zum (Erb-)Pächter auf eigenem Grund u. Boden wirtschaftet. Poeler Bauern hatten durchschnittlich 2-3 Hufen.

Blüsen: Form des Aalfangs bei Nacht. In einem am Boot angebrachten Blüskorb brannte ein Feuer, unter dessen Schein Aale mit dem Aaleisen (Elger) gestochen wurden

Böter: Eigner von Booten, mit denen sie Waren, Feldfrüchte und Güter auf dem Seeweg transportierten. Die Poeler Böter fuhren meist Wismar an. Sandböter transportierten Sand.

Büdner: Besitzer eines kleinen Hauses (=Bude) mit etwas Gartenland; meist Handwerker, Weber, Stellmacher

Chausseewärter: nach dem Ausbau der Chausseen im 19. Jhdt. hatte er die Aufsicht über einen bestimmten Straßenabschnitt.

Dragoner: urspr. berittener Infanterist, kämpfte zu Fuß, das Pferd wurde nur zum Transport benutzt.

Drescher (Dröscher): Tagelöhner, die die saisonale Arbeit des Korndreschens erledigten.

Einlieger: wohnten in den Dörfern bei Bauern oder Eigenkätnern zur Miete; oft auch Einwohner genannt. Waren meist auch Tagelöhner.

Elger: alte Bezeichnung für das Aaleisen / Aalfanggerät, mit dem Aale gestochen wurden.

Eltervater, -mutter: Urgroßvater, - mutter

Erbpacht: (nicht zu verwechseln mit dem heutigen Erbbaurecht!) vererb- und veräußerbares Eigentumsrecht, stand zwischen Eigentum und Zeitpacht, d.h. Eigentumsrecht und Nutzungsrecht waren dauerhaft voneinander getrennt. Der Erbpächter war i. d. R. verpflichtet, auf dem Gut zu wohnen und hatte dasselbe in gutem Zustand zu erhalten. Jährlich hatte der Erbpächter den Erbzins zu zahlen. Nach Aussterben der Erbpächterfamilie fiel das Gut an die Grundherrschaft zurück. In Mecklenburg war die Erbpacht bis 1918 die fast ausschliessliche Form des bäuerlichen Grundbesitzes

Fourier: aus dem ahd. "vuoter" bzw. franz. fourrier, Futter = Verpflegung: war eine in militärischem Umfeld bei der Logistik tätige Person.

Füsilier: bezeichnet den mit einem Steinschlossgewehr (frz. fusil) ausgerüsteten Soldaten.

Gesinde: waren durch Gesetz oder Vertrag zu persönlichen Dienstleistungen verpflichtete und in ihrer persönlichen Freiheit stark eingeschränkte Lohnarbeiter (Knecht, Magd) bei Großbauern bzw. Guts- und Grundherren. Sie unterschieden sich von anderen Landarbeitern dadurch, daß sie auch als Verheiratete unselbständig blieben und über keinen eigenen Haushalt verfügten. Das unverheiratete Gesinde erhielt neben der Verpflegung meist nur einen geringen Lohn und war oft auf dem Hof in der sog. Gesindekammer untergebracht; das verheiratete Gesinde erhielt neben Lohn und Naturalien (Deputat-Gesinde) gelegentlich auch eine Wohnung.

Häcker: ein Tagelöhner, der den Boden mit der Hacke bearbeitete.

Halbbauer: ein Bauer oder Pächter mit einem Ackerfläche von halber Größe, d.h. einer halben Hufe.

Hand- und Spanndienste (Hofdienste): Verpflichtung zur körperlichen Arbeit gegenüber der Herrschaft oder der Kirche; mit der Hand: Bau- und Instandhaltung von Gebäuden, Wegen, Gräben usw.; mit dem Pferde- oder Ochsengespann: Transportaufgaben, oder pflügen usw. Diese Frondienste entstanden schon in früher Zeit, wurden im Laufe der Zeit immer weiter erhöht und zur Belastung, was für tw. erheblichen Unfrieden sorgte.

Häusler: ein Dorfbewohner, der ein eigenes kleines Haus mit Gartenland, auch Vieh besitzt, aber kein oder nicht genügend Ackerland und daher i. d. R. als Tagelöhner arbeitet. Häufig auch selbständiger Handwerker.

Hofgänger: waren Guts-Tagelöhner, die vor allem auf den grossen Gütern zu finden waren.

Hofwehr: die Grundausstattung an Ackergerät und Vieh eines lassitischen Hofes (Obereigentum des Grundherrn), musste vom Wirt bereitgehalten werden und wurde beim Besitzerwechsel überprüft, musste ggf. ersetzt oder abgelöst werden.

Holländer: urspr. tatsächlich holländische Einwanderer, die mit der Milchwirtschaft vertraut waren; wurde in Norddeutschland zu einem gebräuchlicher Begriff für Fachleute in der Milchwirtschaft. Auf Poel ab dem 18. Jhdt. nachweisbar betrieben sie Milchviehhaltung gegen Pacht und auf eigene Rechnung. Die Holländerei war d. h. die Milchwirtschft oder das Gebäude, welches hierfür errichtet oder genutzt wurde

Hufe: Flächenmaß für ein Stück Land, regional unterschiedlich groß, dass ausreichen sollte, eine Bauernfamilie zu ernähren. Eine Poeler Hufe = 24 Morgen = 96 Scheffel Aussaat bzw. 7.200 Quadratruten - entspricht heute ca. 15 ha.

Interimswirt: Starb der Hofbesitzer und hinterließ er noch unmündige Kinder, so heiratete die Witwe meist recht schnell ein zweites Mal und ihr zweiter Mann wurde durch die Heirat zum Interimswirt, d.h. er bewirtschaftete und verwaltetete den Hof für eine vertraglich festgelegte Zeit, bis der mündige Sohn oder die mündige Tochter den Hof als rechtmäßige Erben übernahmen. Dies war der Fall, wenn der Hoferbe oder die Hoferbin heirateten. Manchmal wurde aber auch vertraglich eine längere Zeit vereinbart, die über das Alter der Mündigkeit der Erben hinausging.

Invalide: ein nicht mehr einsatzfähiger Soldat, Veteran, Kranker oder Verwundeter; er erhielt staatliche Unterstützung aus der Invalidenkasse und lebte ggf. in staatlich unterhaltenen Invalidenhäusern.

Kätner (auch Kossat): Eigentümer eines Katens mit Garten, der vererbt und verkauft werden konnte; hatte als Kleinbauer meist weniger als eine Hufe Land und musste ggf. Land hinzupachten, um sich und seine Familie zu ernähren. Kätner hatten i.d.R. keine Pferde, eher Ochsen.

Knecht: siehe Gesinde

Krämer: eine alte Bezeichnung für einen Händler

Krüger: hatte die Erlaubnis Bier zu brauen bzw. eine Schankwirtschaft zu betreiben (Kruggerechtig-keit). Meist waren sie auch Bauern.

Lehrer, Schulmeister (auch Küster): im 18. Jhdt. meist nebenberuflich auch Schneider. Der Küster unterrichtete die Kinder der Insel. Später war er gleichzeitig auch Kirchendiener und somit zuständig für die Aufbewahrung der kirchlichen Geräte, das Läuten der Glocken und tw. auch Organist.

Leibeigenschaft: persönliche Abhängigkeit eines Menschen von einem Herrn, ohne Freizügigkeit und mit vielfältigen Geld-, Sach- und Dienstpflichten des Leibeigenen, der auch der Erlaubnis seines Herrn bedarf, wenn er heiraten will. Aufgrund der besonderen geschichtlichen Entwicklung ist die Leibeigenschaft auf Poel in dieser Form nie eingeführt worden.

Magd: siehe Gesinde

Meier: er betrieb für den Grundherrn oder Pächter den Hof oder Teile dessen als Verwalter. Er wurde auch Hofmeister oder Statthalter genannt.

Musketier: ein schwer bewaffneter Fußsoldat mit einer Muskete, tw. auch der Kavallerie zugehörig.

Privatier: war allgemein eine Person, die finanziell so gut gestellt war, dass sie nicht darauf angewiesen war, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, unabhängig davon, wie sie zu dem Vermögen gekommen war. Der Privatier bezog keinerlei Unterstützung vom Staat, bezahlte aber sämtliche Steuern und sonstige Abgaben selbst.

Putzmacher, -in: neuer: Modist. Fertigte Kopfbedeckungen insbesondere für Damen an.

Rentier: eine Person, die von ihren Kapitalerträgen lebt.

Rademacher: stellte die die kompliziert herzustellenden Wagenräder und andere Teile aus Holz her; wurde im 19. Jhdt. auch Stellmacher genannt. Die Werkstatt des Rademachers bzw. Stellmachers befand sich meist aus praktischen Gründen in der Nähe einer Schmiede.

Schnitter / -in: waren Erntehelfer / -innen bei der Getreideernte. Sie waren Saisonarbeiter und blieben meist nur über die Erntezeit am Ort. Die Poeler Schnitter kamen meist – aber keineswegs ausschließlich aus dem polnischen Raum. Einzelne Schnitter ließen sich auch auf Dauer auf Poel nieder.

Schreiber (Amtsschreiber): Beamter, bzw. Verwaltungsbeamter.

Strandreiter: Er erfüllte die Aufgaben eines Landgendarmen und hatte auch den Bauern die Dienste anzusagen. Er ritt den Strand der Insel ab, um die Strandgerechtigkeit des Königs wahrzunehmen. Dieses Amt gab es auf Poel bis in das 19. Jahrhundert hinein.

Schulze: Gemeindevorsteher. Auf Poel der Vorsteher eines Dorfes. Die Dorfschulzen unterstanden dem Oberschulzen. In den Lübischen Dörfern wurde das Amt des Oberschulzen über Generationen in einer Familie vererbt. Das Schulzenamt gab es auf Poel bis ins beginnende 20. Jahrhundert.

Schweizer: die Melker und Pfleger des Milchviehs. Einige kamen tatsächlich aus der Schweiz (auch für Poel nachweisbar), Oberschweizer: Obermelker.

Tagelöhner: standen weit unten in der gesellschaftlichen Ordnung; hatten kein festes Arbeitsverhältnis, sondern boten ihre Arbeitskraft i. d. R. immer wieder bei neuen Arbeitgebern kurzfristig an. Sie wurden tageweise bezahlt und kamen mehr schlecht als recht über die Runden.

Vogt: ein herrschaftlicher Beamter, Verwalter einer Vogtei oder eines Bezirkes.

Vorwerk: ist ein landwirtschaftlicher Gutshof oder ein gesonderter Zweigbetrieb eines solchen, meist mit eigener Verwaltung.

Weber: entwickelte sich erst im 16. Jhdt. Vom bäuerlichen Nebenerwerb zum eigenen Handwerk. Leineweber verarbeiteten vor allem Garn aus gesponnenem Flachs zu Leinen.

Wehemutter: die Hebamme

Wöhrde, Wurte: Hof- und Gartengelände um einen Bauernhof oder eine Kate.

Wundarzt: eine vom Mittelalter bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts verwendete, heute nicht mehr gebräuchliche Bezeichnung für den Chirurgen.

Zeesboot: Fischereifahrzeug, war ein ursprünglich offenes Schwertboot in Kraweel- oder Klinkerbauweise. Der Achtersteven war meist gerade, der Vorsteven konvex geformt. Der Schiffsrumpf war mit einem Kielfall angelegt. Ein wasserdurchflossener Fischkasten war seit 1858 vorgeschrieben. Zum Fischen driftete das Boot, mit dichtgesetzten Segeln und gehobenem Schwert fast quer vor dem Wind liegend, lautlos dahin. Immer auf der Steuerbordseite zog es in Luv das Fanggeschirr mit Grundschleppnetz, der Zeese hinter bzw. neben sich her. Die Zeese wurde achtern an einer über den Achtersteven hinausragenden Stange, dem Driftbaum, und vorne am Klüverbaum befestigt und dadurch aufgespreizt.

Ergänzungen und Korrekturen sind stets willkommen!

 

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