Schwarzer Busch

Der Poeler Ortsteil Schwarzer Busch ist der jüngste aller Poeler Ortsteile, liegt im Norden der Insel und erstreckt sich bis direkt an die Inselküste. Ursprünglich bezog sich der Name auf das kleine, mit alten Eichen bestandene Waldstück, welches heute noch als Rest existiert. Möglicherweise aber gab dem Waldstück auch ein Bauer namens Schwarz seinen Namen, welcher seinen Hof, den “Schwarzenhof” in unmittelbarer Nähe des Waldstückes hatte. Diesem Waldstück, dem “Schwarzen Busch” blieb die Abholzung wohl auch deshalb erspart, weil es Seefahrern als Landmarke diente.

Eine erste Bebauung erfuhr der gleichnamige Strand-abschnitt im Jahr 1910, als der Wismarer Bauunternehmer Friedrich Fanter mit Aufkommen des Bäderbetriebs unmittelbar am Strand ein erstes Kurhaus errichtete. Zwei Jahre später entstand gegenüber des Kurhauses ein zweites Gebäude, dass von einem Herrn Gelber als “Villa Strandheim” errichtet wurde. Es wurde wenige Jahre später vom Wismarer Weinhändler Michaelis gekauft und als private Sommer-Residenz genutzt wurde. Das Kurhaus Fanter wurde später von Adolf Grahl betrieben. Nach 1945 wurde das Kurhaus Fanter bzw. Grahl als FDGB-Ferienobjekt genutzt. Auch die ehemalige “Villa Strandheim” wurde nach Enteignung der Familie Michaelis als Ferienobjekt bzw. Gaststätte weiter-betrieben. Beide Häuser wurden nach der Wende saniert und dienen heute wieder als als Ferienobjekte mit angeschlossener Gastronomie.

Nach 1945 wurde der Strandabschnitt westlich der beiden Kurhäuser mit kleinen Wochenendhäusern bebaut. In jüngster Zeit wurde der Schwarze Busch erneut durch Ferienhäuser erweitert.

Wohnbebauung am Schwarzen Busch heute (2014) direkt gegenüber des “Wäldchens” - ca. 1 km vom Strand entfernt

Be diesem großangelegten Luftangriff wurden neben der “Cap Arcona” weitere 22 Schiffe versenkt und 115 beschädigt. Allein durch den Untergang der “Cap Arcona” und der “Thielbeck” kamen rund 6.400 Menschen ums Leben. Sie ertranken, verbrannten oder wurden von SS-Mannschaften erschossen. Viele der Leichen wurden in Folge an den Stränden angespült. Auch am Schwarzen Busch wurden etliche Opfer angetrieben, die hier auch ihre letzte Ruhe fanden. Neben weiteren Gedenkstätten wie in Neustadt/H., Grömitz, Niendorf/H., Haffkrug, Groß Schwansee und Klütz erinnert auch die Gedenkstätte am Schwarzen Busch an die Katastrophe und ihre vielen Opfer. Im Inselmuseum in Kirchdorf wurde schon vor längerer Zeit eine Dauer-ausstellung eingerichtet, die umfassend in Wort und Bild über die damaligen Vorgänge informiert. 

Einer der Überlebenden der Katastrophe war der in der DDR bekannte und beliebte Volkschauspieler Erwin Geschonneck.

Der Schwarze Busch vom Strand aus gesehen: links das ehemalige Kurhaus Fanter bzw. Grahl, rechts (verdeckt) die ehemalige “Villa Strandheim”

Etwa auf halber Strecke zwischen Kirchdorf und dem Strandabschnitt Schwarzer Busch liegt der erst ab 1948 entstandene eigentliche Ortsteil gleichen Namens. Genau gegenüber der heutigen Bebauung liegt das bereits erwähnte kleine Waldstück mit einem Bestand an z.T. über 300-jährigen Eichen. Inmitten dieses “Wäldchens” befindet sich eine Gedenkstätte für die Opfer der “Cap Arcona”-Katastrophe: Die 1927 gebaute “Cap Arcona” war einst ein Luxusdampfer der Hamburg-Südamerika-Linie und galt als eines der schönsten Schiffe jener Zeit. Ab 1940 wurde das Schiff von der deutschen Kriegsmarine verwendet und diente 1944 auch als Transportschiff für ostpreußische Flüchtlinge. Gegen Ende des zweiten Weltkriegs lag die “Cap Arcona” mit anderen Schiffen im Lübecker Hafen und nahm mehrere Tausend KZ-Häftlinge an Bord. Am 03. Mai 1945 lag die “Cap Arcona” in der Lübecker Bucht und wurde, da nicht sonderlich gekennzeichnet und mit Bordwaffen ausgerüstet, von britischen Jagdfliegern für einen Truppentransporter gehalten und in vier Angriffswellen versenkt.

Die Cap-Arcona-Gedenkstätte am Schwarzen Busch - Zustand 2014

Der Schwarze Busch als Keimzelle des Poeler Bäder-Betriebes

Bereits Ende der 1830er Jahren sind für Poel erste Sommergäste belegt. Der richtige Bäderbetrieb begann jedoch erst um die Jahrhundertwende. So wurde 1899 am Schwarzen Busch ein knapp ein Kilometer langer Strandabschnitt von Seegras und Muscheln befreit und für den Badebetrieb freigegeben. Neben der Gründung einer Badeverwaltung und des Poeler Badevereins entstanden 1910 und 1912 die beiden bereits erwähnten beiden Kurhäuser (Vor Errichtung der Kurhäuser logierten die Badegäste in privat betriebenen Pensionen überall auf der Insel). Es folgte eine hölzerne Badeanstalt sowie die “Milchkuranstalt”, die von dem Kaltenhöfer Molkerei-Fachmann Rohrdantz betrieben wurde (die spätere “Strandhalle”).

die hölzerne Badeanstalt

Foto: Archiv Jürgen Pump

Die Erdstraße von Kirchdorf zum Schwarzen Busch wurde 1908 mit Linden bepflanzt. Eine feste Decke (Kopfsteinpflaster) bekam die Straße übrigens erst 1954! Mit dem Aufschwung des Badebetriebes eröffneten auch einige Kirchdorfer Gastwirte “Filialen” am Schwarzen Busch, wie die Gastwirte Völter und Lembke. Zudem wurden in den folgenden Jahren in schöner Regelmäßigkeit Bäderprospekte durch die Badeverwaltung heraus-gegeben. So entwickelte sich in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ein stetig wachsender Bäder-Betrieb, der allerdings vom Umfang her nicht mit anderen Ostsee-Bädern wie z.B. Boltenhagen zu vergleichen war. Denn nach dem Bau der zwei Kurhäuser war Schluß mit der Errichtung mondäner Ferienobjekte, denn die Grundbesitzer, denen das Land um den Schwarzen Busch gehörte, waren nicht dazu bereit, noch mehr Land zur Errichtung weiterer Häuser herzugeben.

Bäder-Prospekte aus verschiedenen Jahrzehnten

1910

1929

1936

1939

1954/55

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