Auswanderung

diese Seite wird fortlaufend ergänzt

Auswanderung hat es in den vergangenen Jahrhunderten schon immer gegeben. In der Zeit von 1850-1890 setzte jedoch eine Massenauswanderung von Mecklenburgern vorzugsweise nach Amerika ein. Gründe hierfür lagen zumeist in der politischen Rückständigkeit Mecklenburgs und der daraus resultierenden wirtschaftlichen Not vieler Mecklenburger Untertanen: Erst 1821 wurde in Mecklenburg die Leibeigenschaft abgeschafft. Dieser Fortschritt erwies sich jedoch für viele ehemalige Leibeigene als Nachteil. Hatten sie als Leibeigene noch so etwas wie ein Heimatrecht, war ihnen dieses nun genommen. Wollten sie sich anderorts niederlassen, bedurfte dies immer einer Erlaubnis, die von der jeweils zuständigen Obrigkeit oft nicht erteilt wurde. Man wollte somit eventuell späteren finanziellen Verpflichtungen aus dem Weg gehen, sollte der nun Heimatberechtigte in Not geraten. Oftmals nutzten Gutsbesitzer daher diese Gelegenheit, um ehemalige Leibeigene loszuwerden. Teilweise boten sie ihnen sogar Geld, um sie zum auswandern zu bewegen. Die meisten Auswanderer kamen somit auch vom Lande und weniger aus den Städten. Von 1850 - 1900 verließen etwa 250.000 Mecklenburger ihre alte Heimat; davon gingen etwa 200.000 nach Übersee, die meisten in die USA.

Auf Poel waren die politischen Verhältnisse zwar anders - so gab es hier nie die Leibeigenschaft wie auf dem restlichen Festland, die Bauern waren freie Leute - aber auch von der Insel wanderten Einzelpersonen, Paare und ganze Familien nach Amerika oder in andere Länder aus. Gründe waren aber auch hier sicherlich oft wirtschaftlicher Natur, die blanke Not, aber auch Abenteuerlust und geschäftliche Interessen.

Untenstehend sind einige Poeler Auswanderer-Schicksale mehr oder weniger ausführlich aufgeführt:

BAHR, Friedrich (* 03.10.1863) Der aus Bruch bei Hannover stammende Pastor war Schwiegersohn des damaligen Poeler Pastors Traugott Witte. Bahr war in erster Ehe mit Wittes Tochter Maria Elisabeth Louise verheiratet und nach deren frühen Tod mit deren Schwester Magdalena. Als Bahr Magdalena 1892 auf Poel zum zweiten Mal heiratete, war er schon Pastor im Städchen Lena, Illinois in den USA. Bahr verstarb 1936, seine Frau 1967. Beide sind auf dem Friedhof Fairmount Cemetery in Lamar, Prowers County in Colorado begraben. Ihre Gräber existieren noch heute.

BEYER, Anna Agneta (* Malchow 28.02.1831) Die Schwester des im folgenden genannten Hans Hinrich Beyer wanderte wohl mit ihrem Bruder gemeinsam aus. Sie lebte wie ihr Bruder in Mishicot und blieb unverheiratet.

Hans Beyer

 BEYER, Hans Hinrich wurde als fünftes von sechs Kindern des Malchower Hausmanns Jochim Beyer und seiner Frau Anna, geb. Evers am 19.01.1829 in Malchow geboren. Er entstammte der alteingesessenen Familie Beyer, die sich auf Poel bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück verfolgen lässt. Als zweitgeborener Sohn erbte er nicht den elterlichen Hof, was mit ein Grund gewesen sein mag, dass er die alte Heimat verließ. Hans Beyer wanderte um das Jahr 1852 in die USA aus und ließ sich als Landwirt in Mishicot, Manitowoc County, Wisconsin nieder. Er bewirtschaftete anfangs 89 ha Land und errichtete später u.a. eine große Käserei. Hans Beyer war mit der ebenfalls aus Deutschland stammenden Caroline Runge verheiratet. Die Runges kamen 1847 in die USA und gehörten zu den ersten Siedlern in diesem Teil des Countys. Hans Beyer, ein überzeugter und angesehener Demokrat starb am 15. Juli 1890 im Alter von 62 Jahren. Hans und Caroline Beyer hatten zwei Kinder: Tochter Emma, die unverheiratet blieb und Sohn Ira. Dieser wurde später zu einem der bedeutendsten Männer seiner Heimatstadt. Er führte die elterlichen Farm weiter, war aber auch Besitzer einer Zementfabrik, betrieb eine elektrische Lichtanlage und war im Brückenbau tätig. Ira Beyer war weiterhin Präsident der State Bank of Mishicot. 

BRANDT, Johann Friedrich siehe Post, Henriette Caroline Louise

BRANDT, Johann Heinrich Der aus Fährdorf stammende Sohn eines Tagelöhners ging am 06.11.1866 an Bord des Seglers “Sir John Lawrence” und wanderte in die USA mit Zielhafen New York aus. Heinrich Brandt war zum Zeitpunkt seiner Auswanderung 25 Jahre alt und ledig.

BRUSS (BRUHS), Anna Lucia Die 1842 in Gollwitz geborene Büdnertochter wandert am 31.10.1883 mit dem Dampfschiff “Rugia” Richtung New York aus. Sie verlässt ihre Heimat offenbar allein.

BRÜSEHAFER, Johann Heinrich aus Wangern stammte ursprünglich aus Boiensdorf. Er war mit der aus Timmendorf stammenden Catharina Agneta Rust verheiratet. Zusammen mit ihr und der gemeinsamen, neunjährigen Tochter Sophia verließ die kleine Familie am 14.04.1859 an Bord des Dampfers “Bavaria” den Hamburger Hafen mit Ziel New York.

BUCK, Jochim Peter Christian wurde 1812 in Kirchdorf als Sohn des Büdners und Schneiders Christian Buck geboren. Er wanderte 1839 nach Dänemark aus und ließ sich als Schneider in Kopenhagen nieder. Er heiratete im selben Jahr Anna Kirstine Hansdatter und lebte bis zu seinem Tod 1888 in der dänischen Hauptstadt. Nachkommen dieser Familie leben bis heute in Dänemark.

Buls, Anna Maria war die älteste Tochter des Kirchdorfer Schneiders Hans Jacob Buls und wurde am Neujahrstag 1838 geboren. Anna wanderte allein 06.08.1862 im Alter von 24 Jahren an Bord des Seglers “Humboldt” Richtung New York aus.

EVERS, Johann war bei seiner Auswanderung bereits 70 Jahre alt. Ich konnte ihn bisher noch nicht zuordnen. Sein letzter Wohnort vor seiner Abreise war Kirchdorf und als Beruf ist “Landmann” überliefert. Vermutlich war er Witwer und wurde von Verwandten nach Amerika nachgeholt, da er allein reiste. Johann Evers verließ Deutschland am 17.11.1870 an Bord des Dampfers “Cumberland” .

FANTER, Johann Joachim Wilhelm stammte eigentlich aus Hohen Viecheln, ließ sich später aber auf Poel nieder und heiratete dort die aus Wismar gebürtige Catharina Maria Schmidt. In den folgenden Jahren wurden neun Kinder geboren. Am 11.09.1872 wandern Wilhelm und Maria Fanter - beide fast sechzigjährig und zunächst allein - in die USA aus. Im März 1874 folgt die noch ledige, 24jährige Tochter Sophia ihren Eltern mit dem Dampfschiff “Pommerania” Richtung New York.

HARDER, August Christian Daniel war Sohn des Bützower Torschreibers Daniel Friedrich Harder. Zunächst noch als Handlungsdiener bei Kaufmann Hellmann in Kirchdorf beschäftigt, heiratet er nach dessen Tod seine Witwe Anna Maria, geb. Steinhagen. Nach vier Jahren Ehe begibt sich Harder am 17.04.1872 an Bord des Dampfschiffes “Thuringia” und verlässt Deutschland Richtung New York. Er schien sich bis mindestens 1907 in den USA aufgehalten zu haben, da er in diesem Jahr noch als “Rentner in Amerika” bezeichnet wird. Ob er jemals wieder nach Deutschland zurückkehrte und warum er nach nur vier Jahren seine Ehefrau in Deutschland zurückließ, bleibt vorerst unklar. Seine Frau stirbt jedenfalls 1919 als 82jährige Witwe in Malchow.

HOLST, Johann Heinrich verdingte sich vor seiner Auswanderung als Tagelöhner auf Poel. Gebürtig aus Stove heiratete er 1860 die Poelerin Anna Sophia Evert. Das Paar bekam in Folge vier Söhne und wohnte zuletzt in Wangern. Am 02.11.1872 wanderte die Familie mit den vier Söhnen Johann, Friedrich, Johannes und Joachim über Hamburg in die USA aus.

KOCH, Nicolas Hinrich war der Sohn eines Seedorfer Knechts und bis zu seiner Auswanderung Büdner in Wangern. Irgendwann im Jahr 1853 wanderte Koch mitsamt seiner Frau Catharina Maria, einer geborenen Post aus Wangern, den Kindern, Schwiegerkindern und Enkeln in die USA aus. Unter den Auswanderern befand sich auch Sophia Schwarz aus Vorwerk, wohl Verlobte von Joachim, dem zweitältesten Sohnes von N.H. Koch. Sie erkrankte während der Überfahrt nach Amerika schwer und starb noch an Bord des Schiffes mitten auf dem Atlantik. Ob das gemeinsame (nichteheliche) Kind der beiden, die 1849 noch in Vorwerk geborene Maria Catharina die Fahrt überstand, ist ungewiss. Nachkommen der Familie Koch leben noch heute in den USA.

KÜHL, Friedrich Carl war ein Sohn des Kaltenhöfer Amtsknechts Joachim Heinrich Kühl. Friedrich Carl heiratete in erster Ehe Anna Agneta Thegler und nach deren frühen Tod in zweiter Ehe Anna Agneta Fanter. Nach der Geburt der ersten beiden Kinder wandert die Familie um 1867 in die USA nach Michigan aus. Dort werden noch weitere Kinder geboren. Frederick Keahl, wie er sich später nennt, stirbt 1898 in Detroit, seine Witwe im Jahr 1914.

LANGE, Hans David war bis 1872 Häusler in Kirchdorf. Am 19.11.1873 verließ er mit seiner Frau Catharina Maria, geb. Stampe und den drei gemeinsamen Kindern Gustav, Amanda und Hugo, sowie Emma, der vorehelichen Tochter von Catharina Maria über Hamburg Deutschland mit Ziel New York.

LANGE, Hans Hinrich wurde 1831 in Niendorf als Sohn von Arbeitsmann Jochim Hinrich Lange und Margaretha Lucia Dorothea Steinhagen geboren. Hans wanderte am 01.05.1858 über Hamburg in die USA, Ziel New York aus. Er schiffte sich auf dem Segler “Donau” ein und verließ 27jährig und allein reisend seine alte Heimat.

LEMBKE, Hans Gabriel war der dritte Sohn aus der zweiten Ehe des Malchower, später Fährdorfer Hausmanns Gabriel Lembke und wurde am 25.09.1789 in Fährdorf geboren. Er wanderte später nach Amerika aus. Nähreres zu ihm ist nicht bekannt.

LÜTH, Johann Heinrich Gustav wurde 1859 als Sohn des Kirchdorfer Einliegers Johann Christoph Lüth und dessen zweiter Frau Catharina Maria Frahm geboren. Er wanderte unverheiratet am 31.10.1883 im Alter von 24 Jahren an Bord des Dampfschiffs “Rugia” in die USA aus.

MANNEROW, Johann Joachim Franz wurde am 11.09.1858 als nichteheliches Kind eines Kirchdorfer Dienstmädchens geboren. Am 19.05.1886 verließ er Deutschland an Bord des Dampfers “Buenos Aires” in Richtung Brasilien. Weiteres über ihn ist nicht bekannt.

MEYER, Friedrich Wilhelm Der 1839 in Niendorf geborene Sohn eines Schusters verdiente bis 1872 sein Geld als Matrose. 1866 heiratete er Maria Agneta Trost aus Malchow. Im Jahr 1873 wanderte die Familie mit den drei Kindern Heinrich, Joachim. Anna und der neunmonatigen Sophie über Hamburg in die USA, Zielhafen New York aus.

MOLL, Joachim David war der älteste Sohn des Poeler Arbeitsmanns Jochim Daniel Moll und seiner Ehefrau Anna Agneta Dorothea Steinhagen. Joachim wanderte 23jährig und unverheiratet an Bord des Segelschiffes “Donau” am 01.05.1858 in die USA aus. Er fuhr jedoch nicht allein, sondern zusammen mit der Weitendorfer Familie Steinhagen und den oben erwähnten Hans Hinrich Lange Lange.

PETERS, Hans David war aus Wangern gebürtig und Sohn des Arbeitsmanns Hans Peters und dessen Frau Anna, geb. Brumby. Verheiratet war Peters mit der Kirchdorferin Maria Lucia Steinhagen. Das Paar wanderte am 12.03.1873 mit dem Dampfer “Hammonia” Richtung New York aus. Dabei waren auch die gemeinsamen Kinder Johannes und Hans.

PETERS, Sophie lebte zuletzt in Fährdorf und wanderte mit ihrer sechsmonatigen, nichtehelichen Tochter am 17.11.1870 über Hamburg nach New York aus. Familiär konnte ich sie bisher noch nicht zuordnen.

POST, Henriette Caroline Louise wurde 1844 in Fährdorf als Tochter des Tagelöhners Peter Post geboren. Kurz nach ihrer Eheschließung mit dem aus Groß Strömkendorf stammenden Stellmacher Johann Friedrich Brandt verlässt das junge Paar im Juni 1868 die alte Heimat in Richtung USA. In Hamburg schiffen sich die beiden auf dem Dampfsegler “Allemannia” ein, wie die erhaltenen Passagierlisten belegen. Die “Allemannia” war einer der ersten Dampfsegler, die als Auswandererschiffe die reinen Segelschiffe ablösten. Das Schiff, ein 96 Meter langer und 12,5 Meter breiter, zweimastiger Dampfer wurde am 11.05.1865 von der Firma C. A. Day & Co. in Southampton für diie Hamburg-Amerika-Linie fertiggestellt. Das 2.695 Tonnen schwere Schiff startete seine Jungfernfahrt auf der Strecke Hamburg - Southampton - New York am 17.09.1865. Bis zum 05.10.1872 war das Schiff auf dieser Strecke im Einsatz. Die Passagiere hatten die Wahl zwischen drei Klassen. Die erste Klasse war ausgelegt für 60 Passagiere, die zweite Klasse für 100 Passagiere und die dritte Klasse für 600 Passagiere. Zur Besatzung gehörten 90 Seeleute.

Henriette und Johann konnten sich wahrscheinlich nur die dritte Klasse leisten, kamen beide doch aus einfachsten Verhältnissen. Die Bedingungen einer solchen Überfahrt waren denkbar schlecht. Besonders in der dritten Klasse herrschten Enge, Lärm und man musste sich mit den schlimmen hygienischen Zuständen so gut es ging arrangieren. Viele Auswanderer erkrankten während der Überfahrt schwer und mancher erreichte das Land seiner Träume nicht lebend.

Glück für das Paar war es, dass sie die Überfahrt mit einem modernen Dampfsegler machten. Dadurch verkürzte sich die Zeit der Überfahrt im Vergleich zu den reinen Segelschiffen erheblich und so betraten Henriette und Johann Brandt am 17. Juni 1868 amerikanischen Boden. Gleichzeitig verliert sich hier auch die Spur der beiden. Nur einmal noch taucht Henriette in den Poeler Kirchenbüchern als Taufpatin (“Stellmacherfrau in America”) ihrer Poeler Nichte Bertha Mahn im Jahr 1880 auf. Was aus den beiden später wurde, konnte ich bisher noch nicht klären.

RÖPCKE, Carl Friedrich Johannes war ein Sohn des Kirchdorfer Fischers Johann Heinrich Röpcke und wurde 1866 in Kirchdorf geboren. Er wanderte zu einem nicht bekannten Zeitpunkt in die USA aus und heiratet 1897 in Pensacola Elisabeth Hannah Le Poidevin. Carl Röpcke starb schon 1908 mit nur 42 Jahren.

SCHWARTZ, Hans war Sohn des Vorwerker Büdners Hans Jochim Schwarz und wurde 1810 geboren. er war Arbeitsmann in Vorwerk, bevor er mit seiner Familie um 1853 in die USA auswanderte. Seine Tochter Lucia (angl. Lucie Swartz) war später mit dem ebenfalls deutschstämmigen William Ebeling verheiratet.

SCHWARTZ, Karl Konrad Jacob war das achte von neun Kindern des Kirchdorfer Häuslers und Arbeitsmanns Peter Heinrich Schwarz und dessen Frau Anna Agneta Beuts (Beutz). Im Jahr 1900 war Karl Kellnerlehrling in Wismar und wanderte später in die USA aus. Um 1930 lebte er im New Yorker Stadtteil Manhattan. Karl starb 1965 in Omaha. Verheiratet war Karl Schwarz mit Mary Pauline Kaufhold.

Ernst Sommer

SOMMER, Ernst Friedrich Franz wurde am 14.03.1861 in Gollwitz auf Poel geboren. Seine Eltern waren der Tagelöhner Hans Peter Heinrich Sommer und dessen zweite Frau Anna Agneta Schoof. Ernst hatte aus den beiden Ehen seines Vaters noch sieben Brüder bzw. Halbbrüder. Seine mütterlichen Vorfahren lassen sich auf Poel bis in die 1680er Jahre nachweisen. Ernst erlernte das Bäckerhandwerk und arbeitete um 1882 als Bäckergeselle in Hambug, bevor er ein Jahr später in die USA auswanderte. Hier ließ er sich in Akron, Ohio nieder und heiratete 1885 die ebenfalls aus Deutschland stammende Dorothea Henrietta Hansen. Das Paar bekam in den folgenden Jahren sechs Kinder, bevor Dorothea 1903 im Alter von nur 39 Jahren starb. Ernst Sommer eröffnete 1893 in seinem Heimatort Akron seine eigene Bäckerei mit angeschlossenem Geschäft. 1907 heiratete er in zweiter Ehe die ebenfalls aus Deutschland stammende Augusta Kuss. Das Paar bekam vier Kinder. Sommers Mutter, Anna Agneta folgte ihrem Sohn als Witwe später ebenfalls in die USA. Ernst Sommer starb 1952 im hohen Alter von 90 Jahren in Stow, Ohio. Er hinterließ 25 Enkel und 38 Ur-Enkel. Einige seiner Nachkommen hielten noch bis in jüngste Zeit Kontakt zur Poeler Verwandtschaft.

STEINHAGEN, Anna Agneta war ein unverheiratetes Dienstmädchen aus Kirchdorf. Geboren wurde sie 1832 in Malchow. Sie wanderte mit ihren beiden nichtehelichen Söhnen Ernst und Heinrich am 06.11.1866 über Hamburg nach Amerika aus. Begleitet wurde sie von einer 43jährigen Maria Steinhagen. Ihr verwandtschaftliches Verhältnis zueinander ist bisher ungeklärt.

STEINHAGEN, Friedrich Wilhelm Karl war ein Sohn des Vorwerker Erbpächters und Distrikt-Schulzen Joachim Peter Steinhagen und dessen Frau Emma, geb. Franck. Sein vier Jahre älterer Bruder Hans erbte später den Vorwerker Besitz des Vaters und wurde in Folge einer der größten Poeler Grundbesitzer bzw. -pächter. Friedrich, als zweitgeborener Sohn wanderte um die Jahrhundertwende in das damalige Deutsch-Ostafrika aus und ließ sich dort (vor 1905) in Samanga, Distrikt Kilwa als Baumwollpflanzer nieder. Viel ist über Friedrich Steinhagen nicht überliefert. Er führte seine Baumwollplantage mit großer Brutalität und erreichte somit traurige regionale Berühmtheit, da er mit dem Einsatz von Bambusstock und Nilpferdpeitsche nicht sparte. Am 01.August 1905 begann mit dem Überfall auf Samanga der Maji-Maji-Aufstand bzw. -krieg, eine Erhebung der afrikanischen Bevölkerung gegen die Kolonialherrschaft. Samanga wurde von den einheimischen Aufständischen niedergebrannt, Steinhagen geriet in die Kämpfe und konnte nur mit militärischer Hilfe aus seiner ausweglosen Situation befreut werden. Friedrich Steinhagen starb 1912 unverheiratet im Alter von 33 Jahren vermutlich in Samanga.

STEINHAGEN, Hans Jacob war bis zu seiner Auswanderung Büdner und Matrose in Weitendorf. Er war ein Sohn des Weitendorfer Büdners David Steinhagen und dessen Frau Anna, geb. Dühnfahr. Hans Steinhagen wanderte mit seiner Frau Anna Sophia, geb. Steinhagen und den beiden gemeinsamen Töchtern Sophia und Maria am 01.05.1858 mit dem Segelschiff “Donau” Richtung New York aus. Mit an Bord waren Joachim David Moll und Hans Hinrich Lange.

STEINHAGEN, Johann Heinrich war der Sohn eines unverheirateten Dienstmädchens und wurde 1847 in Gollwitz geboren. Johann wanderte mit 35 Jahren am 29.10.1882 mit dem Dampfer “Lessing” über Hamburg nach Amerika aus.

STEINHAGEN, Paul Friedrich war das vierte Kind (*1848) des Gollwitzer Erbpächters und Schulzen Joachim Heinrich Steinhagen und dessen Frau Anna Maria Haland. Er wanderte 1878 in die USA aus und betrieb als Kaufmann in San Franzisco zunächst erfolgreich Handel mit Getreide, Wolle und Lebensmitteln, was ihm großen Wohlstand einbrachte. Zum Ende des Jahrhunderts schienen seine Geschäfte dann weniger gut zu laufen. Er verfiel dem Alkohol und wurde depressiv.

Tragisch endete sein Leben im Jahr 1901. Am 20.April wurde Paul Steinhagen tot in seinen Büroräumen in der Davis Street aufgefunden. Er hatte die Gashähne aufgedreht und nahm sich so das Leben. Ob Paul Steinhagen auch eine Familie hatte, ist bisher nicht bekannt.

Rechts: Meldung über Paul Steinhagens Tod aus der in San Franzisco seinerzeit erschienenen Zeitung “The Call” vom 22.04.1901

P.Steinhagen Anz

STEINHAGEN, Theodor Andreas war das siebte Kind des Neuhöfer Besitzers Hans Jacob Steinhagen, genannt “Hans von Baben”. Er wanderte mit 24 Jahren am 08.05.1869 Richtung New York in die USA aus.

SUSEMIHL, Ludwig war der Sohn des Poeler Pastors Diederich Christian Susemihl und wurde 1802 in Kirchdorf geboren. Ludwig war um 1845 Pfarracker-Pächter in Kirchdorf und heiratete im selben Jahr ebd. die aus Plüschow stammende Wilhelmine Peters. Das Paar wanderte um 1853/54 mit der gemeinsamen Tochter Wilhelmine in die USA aus. Ludwig Susemihl starb 1884 in Springwells, Michigan, seine Witwe 1898.

TROST, Friedrich Gustav, geboren 1855 als Sohn des Kirchdorfer Häuslers Joachim Hinrich Trost und der Maria Dorothea Harder war ein junger Seemann, als er am 26.04.1873 mit dem Dampfer “Vandalia” in Richtung New York aufbrach. Ob er nur als Seemann mitfuhr oder tatsächlich auswanderte, ist noch unklar.

TROST, Joachim und Maria, geb. Harder waren die Eltern des vorigen und Schwiegereltern von Friedrich Wilhelm Meyer (siehe oben). Sie folgen offenbar ihren Familienangehörigen und wandern an Bord des Dampfers “Frisia” am 03.05.1876 Richtung New York aus.

WAACK, Karl und Wilhelm waren zwei Fährdorfer Brüder, die 1887 bzw. 1888 in die USA auswanderten und sich in San Francisco niederließen. Die Eltern der beiden waren der Fährdorfer Bootsbauer und Zimmermann Hans Heinrich Waack und seine Frau Anna Agneta, geb. Schabbelt. Karl (geb. 11.10.1866) fuhr nach seinem Wehrdienst auf einem Handelsschiff, erreichte San Francisco mit 21 Jahren und ließ sich dort nieder. Sein Bruder Wilhelm (geb. 12.03.1868) folgte ihm ein Jahr später. Die Brüder Waack arbeiteten sich im Laufe der Jahre von einfachen Schiffsjungen zu Schiffseignern hoch. So besaß Charles, wie sich Karl nun nannte die Schute “Charles W.” und Bruder William die “James McKenna”. Beide beförderten mit ihren Schuten Heu, Früchte, Sand und Schotter und galten als ausgezeichnete Arbeiter und gute Navigatoren. Charles Waack wurde von Zeitgenossen als geselliger und beliebter Mann beschrieben. Er war Mitglied in einem Gesangsverein und gemeinsam mit Bruder William Mitglied im Norddeutschen Verein San Francisco. Charles Waack starb am 04.01.1954 im Alter von 87 Jahren. Bruder William starb nur wenige Tage später, am 13.01.1954 im Alter von 85 Jahren. Die Brüder Waack wurden auf dem Cypess Lawn Memorial Park - Friedhof in Colma, San Mateo County bei San Francisco begraben.

ZARRS, Johann Friedrich Christoph war Arbeitsmann und zuletzt Häusler in Kirchdorf, bevor er nach 1861 mit seiner zweiten Frau Sophia, geb. Bölte und Kindern in die USA auswanderte. In erster Ehe war Zarrs mit der Poelerin Lucia Dorothea Krull verheiratet. Nachkommen leben noch heute in den Vereinigten Staaten.

 

nach oben