Der U-Bootfahrer Carl Steinhagen

U 47 mit seinem Kommandanten Günther Prien war eines der erfolgreichsten U-Boote im Zweiten Weltkrieg. Auf insgesamt zehn Feindfahrten versenkte Prien 30 Schiffe mit einer Gesamttonnage von über 160.000 Bruttoregistertonnen. Seine größte Bekanntheit erlangte das Boot mit seiner Besatzung jedoch mit seinem Angriff auf den britischen Marinestützpunkt Scapa Flow: In der Nacht vom 13. zu 14. Oktober 1939 drang Prien nachts in den stark gesicherten Hafen ein und versenkte in Folge den britischen Zerstörer “Royal Oak”. Danach konnte Prien sein Boot, ohne entdeckt zu werden aus dem Hafen bringen. Die ganze Aktion glich einem Himmelfahrtskommando, da vor Prien schon andere U-Boote erfolglos derartige Versuche unternommen hatten. Bei der Ankunft von U 47 in Wilhelmshaven am 17. Oktober wurden Prien und Mannschaft schon am Kai vom Befehlshaber der U-Boot-Flotte Karl Dönitz und Großadmiral Raeder sowie einer jubelnden Menschenmenge empfangen. Einen Tag später wurde die Besatzung nach Berlin geflogen und in der Reichskanzlei von Hitler empfangen. Prien, dem “Stier von Scapa Flow” wurde für sein “Husarenstück” und als erstem U-Boot-Fahrer überhaupt das Ritterkeuz verliehen. Die restliche Mannschaft erhielt das Eiserne Kreuz.

Von seiner zehnten und letzten Feindfahrt kehrte U 47 nicht mehr zurück. Das Boot sank am 07. März 1941 unter unklaren Umständen während eines Angriffs auf einen Geleitzug. Es wurde u. a. vermutet, dass das U-Boot von einem Zerstörer versenkt wurde. Auch hielt man den Kontakt mit einer Mine für möglich oder gar eine Tauchpanne. Als am wahr-scheinlichsten gilt heute die Theorie, dass U 47 durch einen eigenen, defekten Torpedo zerstört wurde, der als “Kreisläufer” das eigene Boot traf.

Unter der Besatzung von U 47 befand sich auch ein Poeler: Der Funkmaat Carl Steinhagen war von Anfang bis zum Verlust des Bootes Teil der Mannschaft. Carl Heinrich Albert Wilhelm Steinhagen wurde am 19.12.1916 als ältestes von sechs Kindern des Kirchdorfer Kaufmanns Wilhelm Steinhagen geboren. Er entstammte somit einer der ältesten Poeler Familien und unter seinen Vorfahren finden sich so bekannte Namen wie Lembke, Paetow, Fehrmann, Beyer und andere.

Seine Erlebnisse an Bord von U 47 schrieb Carl Steinhagen um 1940 nieder; später erschienen seine Erinnerungen als 32-seitige Broschüre im Bertelsmann-Verlag. Detailreich schildert Steinhagen das Leben an Bord, die Feindfahrten und insbesondere den Angriff auf Scapa Flow und den später folgenen Empfang durch Hitler in Berlin. Auch verrät das Buch einiges über die Motivation der U-Boot-Fahrer und ihre politische Sicht auf die damaligen Verhältnisse. Auf der letzten Seite schreibt Carl Steinhagen: “Wir haben jetzt nicht viel Zeit, Weihnachten steht vor der Tür. Ein Glück haben wir, dass wir dieses Fest in der Heimat im Kreise der Familie feiern können!”

Es war das letzte Weihnachten, dass Carl Steinhagen feierte. Er starb mit seiner Besatzung und dem Kommandanten Prien am 07. März 1941 beim Untergang von U 47. So ereilte den erst 24-jährigen das gleiche Schicksal wie Tausende andere U-Boot-Fahrer und Millionen von Soldaten in diesem sinnlosen, mörderischen Krieg. Heute erinnert noch eine Gedenktafel auf dem alten Friedhof in Kirchdorf an Carl Steinhagen.

Carl Steinhagen (links) an Bord von U 47 in Wilhelmshaven (Foto mit freundlicher Genehmigung durch Scherzers-Militär-Verlag)

 

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