Gollwitz

Im äußersten Nordosten der Insel Poel liegt das kleine Dorf Gollwitz. Das einstige Bauern- und Fischerdorf ist eines der drei Poeler Dörfer, die slawischen Ursprungs sind, also schon vor der Kolonisation durch deutsche Siedler im 13. Jahrhundert existierte. Zwei mögliche Deutungen des Ortsnamens Gollwitz lauten: “Ort des Golu” oder auch “kahler Ort”.

Daneben existierte in der Vergangenheit noch ein weiterer Ort zwischen Gollwitz und dem heutigen Kaltenhof. Dieser Ort wurde im 14. Jahrhundert durch einen der deutschen Lokatoren namens Wasmodus gegründet und nach diesem “Wasmodesdorp” genannt. Dieser Ort hieß später Wester-Gollwitz und ging im 16. Jahrhundert im neu errichteten Amtsbauhof Kaltenhof auf. Einzig ein Gehöft des ehemaligen Westergollwitz blieb bis Mitte des 18. Jahrhunderts selbständig und nannte sich nach seinen Besitzern, einer Familie Prien auch “Prienshof”, bis auch dieser 1750 dem Kaltenhof zugelegt wurde. Die Bezeichnungen von Gollwitz und Westergollwitz wechselten in der Vergangenheit desöfteren ; so wurde das eigentliche Gollwitz auch als Oster-Golwitz oder Ferne-Gollwitz bezeichnet, während Westergollwitz auch als Neger-Gollwitz (Neger = niederdtsch. für näher) bezeichnet wurde. Auch wurden die einzelnen Höfe in der Vergangenheit den beiden Dorfern teilweise verschiedentlich zugeordnet.

Das Dorf Gollwitz bestand offenbar seit jeher aus nur drei Hofstellen, wie aus den untenstehenden Steuerlisten* auch hervorgeht. Aus denselben Listen erfahren wir auch etwas über die Namen der damaligen Besitzer der Hofstellen und die Größe der Höfe. Leider fehlen mir auch für Gollwitz bisher die nötigen Quellen für den Zeitraum zwischen 1600 und 1700, um die späteren Hoffolgen zuzuordnen.

Amt Bukow, Amtsregister 1519

Golvitze:

M

ß

Clawes Everd

3

 

Tytke Louwe

 

Hinrik Heyne

3

 

Amt Bukow, halbe Landbede 1519

Verne Golvitze:

M

ß

Clawes Everds

 

22

 

Tytke Louwe

 

28

 

Hinrik Heyne

 

24

 

Amt Bukow, Amtsregister 1524

Negergolvitz:

M

ß

Henrick Paryn

5

 

 

Henrick Wylde

 

 

Vergolvitz:

 

 

 

Claws Everth

3

-4

 

Titke Law

 

 

Henrick Heyne

3

 

 

Amt Bukow, halbe Landbede 1544

Neger Golvitze:

M

ß

Hinrick Wolde, 4½ H.

2

4

Hinrick Parinsche, 5 H.

 

wust 6 hoven, buwet mein gn. here herzogk Albrecht und de Stralendorpe

9½ hoven

4

12

Verne Golvitze:

 

 

Marquart Lowe, 3½ H.

 

 

Vicke Evert, 2 H.

 

 

idem vor ¾ H.

 

 

Drewes Wilde, 3 H.

 

 

wust by 2 ½ hove

9¼ hoven

4

10

Amt Bukow, Land Poel, Beschreibung 1579

Ferne Golvitz:
Zeuge: Marquardt Lowe, der schultz, 42 j., dort geboren. 11 ¾ Hufen, Gericht, Dienst, Ablager, Hühner und Eier zur fürstl. Ausrichtung, Auf- und Ablass zum Amt Bukow.

Abgaben:

Königs-bede

Stol-bede

Pacht

Pacht

(Zehnte) zu Lübeck

Rauch-huhn Stück

den Fürsten

dem Capittel zu Lübeck

fl

ß

ß

ß

fl

ß

fl

ß

Stck.

Hanß Everdt

2

12

3

9

16

5

8

1

8

1

Drewes Wilde

2

12

4

 

 

10

16

 

 

1

Marquardt Lowe

2

12

4

 

12

9

8

 

 

1

 

8 fl 12 ß

44 fl 

4

  15 fl 16 ß Landbede                                       

Neger Golvitz:
Zeuge: Hinrich Parin, dort geboren, hat 4 Hufen, Gericht etc., wie oben

Abgaben:

Königs-bede

Stolbede

Pacht

Zehnte

den Fürsten

dem Capittel

fl

ß

fl

ß

fl

fl

ß

Hinrich Parin

3

8

5

4

½

7

1

2

 

10 fl 13 ß 4½

 

1 fl 2 ß

Amt Bukow, Ablager 1556

Neger Golvitze: 9½ hove

fl

ß

Drewes Wilde

 

3

6

Peter Rust

 

3

6

bottlingesgeldt

 

7

 

1 fl 4½ ß ochsengeldt, 2 Dt 4½ Schl. havern

Ferne Golvitze: 9¼ hove

 

 

 

Marquardt Low

 

3

6

Drewes Wilde

 

3

6

Vicke Evert

 

3

6

bottlingesgeldt

 

10

6

1 fl 3 ß 9 ochsengeldt, 2 Dt, 3 Schl. 3 vaß havern

zu den in den Tabellen verwendeten Abkürzungen:

Dt.

Drömbt (Maßeinheit)

Schl.

Scheffel (Maßeinheit)

fl

Gulden (Währung)

M

Mark (Währung)

ß

Schilling (Währung)

Pfennig (Währung

H.

Hufe (Flächenmaß)

* Quelle der Tabellen: “Mecklen-burgische Bauernlisten des 15. und 16. Jahrhunderts, Heft 2: Das Amt Bukow mit dem Lande Poel, Schwerin 1938

Amt Bukow, Landbede 1584

Golvitz hat 16 huefen

 

huefen

fl

ß

Heinrich Parin

6

 

Merckwert Lowe

4

5

8

Hans Everß

5

 

Chim Hamme

4

5

8

Amt Bukow, Amt Poel, Amtsregister 1585/87

 

Geldpechte

Konningsbede

Stolbede

 

fl

ß

fl

ß

ß

Golvitz:

 

 

 

 

 

 

Heinrich Parin

6

8

3

8

4

 

Merckwerdt Low

 

12

2

16

4

 

Hans Everdt

 

16

2

12

3

9

Chim Hamme

 

 

2

16

4

 

1598 Land Poel, Gollwitz, Beschreibung

Golvitz: wonen 3, haben 11 ¾ huefen, dienen teglich mit 2 pflugen, ein jeder, daneben handdienste, wan ihnen zugesaget wirt, seien jarlich 17 Dt. 6 Schl. Roggen, 19 Dt. 6 Schl. Garsten, 9 Dt. erbsen, 1 Dt. 4 Schl. Habern, geben jerlich 9 fl 11 ß an konninges- und stolbede den hern, 26 fl 16 ß an capittalspacht nach Lubeck, 3 rauchhuener auch dahin.

Zu nehere Golvitz: wont einer Heinrich Prien, dient täglich mit 2 pflugen.

Im folgenden ein Rekonstruktionsversuch der Hoffolgen für die drei Gollwitzer Hofstellen ab dem ausgehenden 17. Jahrhundert bis 1945:

Gehöft I (Erbpachthof I)

Peter Ruge

1694

Hauswirt, 1694: ,,Peter Ruge ein Baumann, dessen Frau Anna Prien, ein Kind Ilse 2 Jahre alt. An Vieh 10 Pferde 1 Füllen, 3 Ochsen, 2 Rinder 6 Schafe 14 Schweine; Haus von 7 Verbundten in ziemlichen Stande, nur ist das Dach hin und wieder abgedeckt. Hat keine Scheune, 3 ¾ Hufen Land“

Hinrich Prien

bis 1712

Interimswirt

Jochim Lembke

1713-1729

Hauswirt, Schwiegersohn von Peter Ruge

Claus Fehrmann

1729-1746

Interimswirt

Jochim Lembke

1746-1763

Hauswirt, Sohn von Jochim Lembke

Hans Schabbelt

1764-1775

Interimswirt, zweiter Mann von Jochim Lembkes Witwe

Joachim Lembke

1775-1812

Hauswirt, Sohn von Jochim Lembke, Stiefsohn von Hans Schabbelt - am 25.01.1796 brennt das Gehöft nieder

Joachim Lembke

1812-1838

Hauswirt, Sohn des vorigen

Joachim Lembke

1839-1865

Erbpächter, Sohn des vorigen

Erdmann Lembke

bis 1877

Erbpächter, Sohn des vorigen; unverheiratet

Carl Lembke

1877-1913

Erbpächter, Bruder des vorigen; verkauft den Hof 1913 an Dr. Hans Lembke-Malchow; Größe des Gutes 1908: 61 ha. Viehbestand 1908: 7 Pferde, 30 Rinder, davon 12 Kühe, 10 Schweine

Dr. Hans Lembke

1913-1945

Eigentümer 1913-1945; 1945 enteignet (da zum Malchower Gut gehörig)

Gehöft II (Erbpachthof 2 - durch Kauf von Heinrich Steinhagen mit Gehöft II zusammengelegt)

Hinrich Steinhagen

vor 1694

Hauswirt, 1698 Altbauer (Altenteiler?)

Peter Jensen

1694-1698

Schulze, wohl Interimswirt. 1694: ,,Hinrich Steinhagen, itzo Peter Jensen ein Baumann aus Holstein gebürtig dessen Frau Ilse Prienen, haben keine Kinder; Vieh 10 Pferde, 30 Ochsen, 2 Kühe 1 Kalb, 5 Schaafe 12 Schweine; Haus 7 Verbundte und in dem letzten Sturm abgedeckt, hier und da verrottet. Hat keine Scheune, muß daher sein Korn in Miete setzen lassen. Eine Kate hierbei von 3 Gebinden worin Hinrich Steinhagen wohnt. Hat 4 Hufen, klagt, dass von Jahr zu Jahr Land abgespült wird.“

Erdmann Steinhagen

bis 1742

Hauswirt, Sohn v. Hinrich Steinhagen

Hinrich Steinhagen

1742-1783

Hauswirt und Schulze zu Gollwitz; Sohn von Erdmann Steinhagen

Hinrich Steinhagen

1783-1789

Hauswirt und Schulze zu Gollwitz; Sohn von Hinrich Steinhagen

David Steinhagen

1789-1814

Interimswirt, Bruder des vorigen

Jochim Hinrich Steinhagen

1814-1842

Erbpächter, auch Schulze zu Gollwitz; Sohn v. Hinrich Steinhagen

Heinrich Steinhagen

1842-1862

Erbpächter, 1881 Rentier zu Wismar

Gustav Julius Steinhagen

bis ca.1890

Sohn des vorigen, verkauft den Hof (II u. III) später an Ernst Beyer

Ernst Beyer

1890-1931

aus Niendorf,Hof I; Erbpächter bis 1931, danach Rentier zu Gollwitz

Frieda Wegener

1931-1937

aus Fährdorf; Besitzerin, kauft das Gut 1931 von Ernst Beyer

Gustav Wegener

1937-1945

Besitzer, Sohn von Frieda Wegener; enteignet 1945

Gehöft III (Erbpachthof 3 - durch Kauf von Heinrich Steinhagen mit Gehöft III zusammengelegt)

Jürgen Sprenger

1694

Hauswirt, 1694: ,,Jürgen Sprenger ein Baumann, deßen Frau Margaretha Evers, hat 4 Kinder Hinrich 25 Hans 23 welcher schon in Kirchdorf woht, Ilse 26, Claus 19 Jahre, an Vieh: 8 Pferde 3 Ochsen 2 Kühe 10 Schweine 6 Schafe, Haus in ziemblichen Stande, nur sind 2 Sparren zerbrochen und hat der Wind das Dach etwas abgedecket. Hat 4 Hufen Land.“

Hinrich Sprenger

1698- 1715

Hauswirt, 1698 schon als Bauer erwähnt, wohl Sohn des vorigen

Hans Sprenger

1730-1758

Hauswirt, bis ca. 1758 zu Gollwitz, ab ca. 1759 zu Timmendorf

Jochim Schröder

1759-1782

Hauswirt, Schwiegersohn von Jochim Sprenger

Jochen Steinhagen

1782-1814

aus Gollwitz, Hof II; Hauswirt, Schwiegersohn von Jochim Schröder

David Steinhagen

1814-?

Hauswirt, gab die Stelle ab und zog nach Kirchdorf

Carl Wachenhusen

vor 1851

stammte aus Wismar - wann und wie lange er die Hofstelle besaß, ist unklar

Heinrich Steinhagen

nach 1851

von Gollwitz Hof II, kauft Gollwitz Hof III dazu

Gustav Julius Steinhagen

bis ca.1890

Sohn des vorigen, verkauft den Hof (II u. III) später an Ernst Beyer

Ernst Beyer

1890-1931

Erbpächter bis 1931, danach Rentier zu Gollwitz

Frieda Wegener

1931-1937

Besitzerin, kauft das Gut 1931 von Ernst Beyer

Gustav Wegener

1937-1945

Besitzer, Sohn von Frieda Wegener; enteignet 1945

Von den Gollwitzer Hofanlagen ist heute bis auf ein Wohnhaus praktisch nichts mehr erhalten. An der Stelle des einst am Ortseingang gelegenen Hofes I steht heute ein großes Ferienobjekt. Hof II war schon zu einem früheren Zeitpunkt mit Hof III zusammengelegt worden.

Hofanlage des Gollwitzer Gehöftes III um 1929. Von dem Ensemble steht heute nur noch das Wohnhaus.

 

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Ebenfalls in Gollwitz befindet sich einer der beiden Poeler Leuchttürme. Der Gollwitzer Leuchtturm wurde 1953 erbaut.

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