Inselgeschichte

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Die Insel Poel

Poel ist mit einer Fläche von 36 kmdie größte Insel Mecklenburgs und siebtgrößte Insel Deutschlands. Sie liegt in der südlichen Mecklenburger Bucht bzw. der nördlichen Wismarer Bucht und wird östlich durch die Zaufe und den Breitling vom Festland getrennt.

In „früheren“ Zeiten gehörte Poel zum Herzogtum Mecklenburg, von 1648 bis 1803 zum Königreich Schweden und von 1803 bis 1918 zum (Groß-)Herzogtum Mecklenburg-Schwerin. Von 1918 bis 1934 zum Stadt- und Landkreis Wismar des Landes Mecklenburg-Schwerin. Von 1934 bis 1945 gehörte Poel mit dem Stadt- und Landkreis zum Land Mecklenburg. Nach 1945 war Poel bis zur Gründung der DDR 1949 Teil der sowjetischen Besatzungszone. Nach Auflösung der Länder 1952 kam Poel mit dem Kreis Wismar zum nun neu eingerichteten Bezirk Rostock. Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten 1990 und der Wieder- bzw. Neueinrichtung der Bundesländer war Poel wieder ein Teil des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern.

Politisch-administrativ ist Poel heute eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Nordwestmecklenburg im Bundesland Meckenburg-Vorpommern. Die Insel ist über einen Damm und eine kleine Brücke mit dem Festland verbunden und über die Landesstraße 121 erreichbar. Zur Gemeinde Insel Poel gehört außerdem die der Insel nordöstlich vorgelagerte kleine unbewohnte Vogelinsel Langenwerder.

Die amtsfreie Gemeinde Insel Poel besteht heute aus folgenden Dörfern, bzw. Gemeindeteilen und Wohnplätzen: Am Schwarzen Busch, Brandenhusen, Einhusen, Fährdorf (mit Fährdorf Hof und Fährdorf Ort), Gollwitz, Kaltenhof, Kirchdorf, Malchow, Neuhof, Niendorf, Oertzenhof, Seedorf, Timmendorf, Vorwerk, Wangern (mit Vor- und Hinterwangern) und Weitendorf (mit Weitendorf Hof). Weitere, inzwischen untergegangenen Orte bzw. Wohnplätze waren der Prienshof, die Curia Uppenfelde, To den Höven und Wasmodesdorp. Als Orte slawischen Ursprungs gelten Malchow (slaw.= Ort des Malech), Gollwitz (slaw. Golu = kahler Ort) und Wangern. Alle anderen Orte der Insel waren deutsche Neugründungen nach der Kolonisation.

Kirchdorf war, nicht zuletzt durch seine Lage und die Kirche immer der zentrale Ort der Insel.

Kurzer geschichtlicher Überblick von der Frühzeit bis in die Gegenwart

Die Insel war schon in frühester Zeit besiedelt. Das belegen Bodenfunde aus der Jungaltsteinzeit (vor 8.000 v. Chr.), der Mittelsteinzeit (8.000 v. Chr. bis 4.000 v. Chr.) und der Jungsteinzeit (4.000 bis 1.800 v. Chr.).An die Bronzezeit (1.800 v. Chr. bis 500 Chr.) erinnert u.a. das Hügelgrab „Rugbarg“ in der Nähe des Brandenhusener Hakens. Funde aus der vorrömischen Eisenzeit bis in die frühe Kaiserzeit (2. Jhdt. v. Chr. bis 1. Jhdt. n. Chr.) belegen ebenfalls eine Besiedlung.

Im Verlauf der Völkerwanderung verlassen die Germanen die Gegend und um das 6.-7. Jhdt. wandern slawische Stämme in das Gebiet des heutigen Mecklenburgs ein. Im westlichen Teil Mecklenburgs und somit auch auf Poel ließen sich die Obodriten nieder, legten Rodungen an und gründeten erste Siedlungen. Hinweise auf slawische Siedlungsgründungen geben Ortsnamen, die auf die Endungen –itz oder –ow enden, wie Gollwitz oder Malchow. Das Gelände des Friedhofs an der Wismarschen Straße war vermutlich einst eine slawische Burgwall-Siedlung.

Im Jahr 1160 zieht Heinrich der Löwe gegen die Obodriten in den Krieg und besiegt diese. Niklot, der Fürst der Obodriten fällt im Kampf vor seiner Burg Werle. Es folgt die Christianisierung des Landes.1163 unterstellt Heinrich die Insel Poel dem Bistum Lübeck und schenkt dem Domkapitel den Zehnten der gesamten Insel nebst dem Dorf Vera (= Fährdorf). Poel wird somit erstmalig urkundlich erwähnt. 1167 erhält Niklots Sohn Pribislaw die Lande im Nordwesten einschließlich der Insel Poel als Lehen zurück (als Fürstentum Michilenburg=Mecklenburg). 1170 erfolgt die Aufnahme der mecklenburgischen Fürsten in den Reichsverband.

Bis etwa 1200 ist Poel rein slawisch bewohnt. Durch die vorangeführten Kriege war die slawische Bevölkerung jedoch schon stark dezimiert. Der Sohn Pribislaws, Heinrich Borwin I. holt daher die ersten deutschen Siedler mit Hilfe sogenannter Lokatoren aus den alten Reichsgebieten in sein Land. Vermutlich um 1210 kommen die ersten Siedler nach Poel. Den Familiennamen nach zu urteilen, kamen diese Kolonisten aus Niedersachen, Holstein, Friesland und Westfalen. Der Bischof von Lübeck tritt die Hälfte des Zehnten der Insel an Heinrich Borwin I. ab. Zeitgleich beginnt der Bau der Kirche, der um 1258 abgeschlossen ist.

In den Folgejahren entstehen neue Siedlungen wie die Dörfer Timmendorf, Weitendorf, Brandenhusen, Seedorf, Niendorf und Vorwerk.

1234 erfolgt die erste Mecklenburgische Hauptlandesteilung durch die Enkel Heinrich Borwin I.

Die mecklenburgischen Fürsten wurden auf Poel durch einen Vogt vertreten. Sitz der Vogtei war der Hof Uppenfelde, welcher damals in der Nähe der Kirche lag.

Im 13. Jhdt. wird Poel Leibgedinge der mecklenburger Fürstinnen. Am 22.11.1318 verkauft Heinrich II. der Löwe den Rittern Plessen und Preen die eine Hälfte und den Rittern Stralendorff die andere Hälfte der Insel nebst sieben weiteren Dörfern auf dem Festland und verzichtet auf alle landes- und grundherrlichen Rechte. Das Domkapitel, das Johannis-Kloster und das Heilig-Geist-Hospital Lübeck kaufen im Laufe der folgenden Jahre Land und ganze Dörfer, bis sie am Ende des 14. Jhdts. den größten Teil der Insel in Besitz haben. 1344 kamen die Dörfer Seedorf, Brandenhusen und Weitendorf aus Stralendorffschen Besitz an das Heilig-Geist-Hospital Lübeck. 1352 folgte Wangern.

Herzog Albrecht II. von Mecklenburg versuchte schon Mitte des 14. Jhdts, seine landes- und grundherrlichen Rechte auf Poel zurück zu erlangen und streitet bis 1461 mit dem Domkapitel. Auf Vermittlung durch den Papst endet der Streit mit einem Vergleich.

Auf dem Landtag an der Sagsdorfer Brücke bei Sternberg wird am 20.06.1549 die Reformation in Mecklenburg eingeführt. Herzog Johann Albrecht I. belegt daraufhin 1555 alle geistigen Besitzungen mit Beschlag. Nach langem Streit darüber mit dem Domkapitel verkauft dieses nach einem 1598 geschlossenen Vergleich seine Poeler Dörfer mit allen Rechten an den Herzog. Die Besitzungen des Heilig-Geist-Hospitals bleiben aber weiter in Lübecker Besitz. Sie hatten eine eigene Verwaltung, einen Oberschulzen und unterstanden der Lübecker Gerichtsbarkeit. Adolf Friedrich I. von Mecklenburg-Schwerin kaufte nach langen Auseinandersetzungen mit den Stralendorffs diesen im Jahr 1615 alle Rechte ab.

Um das Jahr 1555 entsteht der Kaltenhof („Amtskaten“) als Amtshof durch Zusammenlegung mehrerer eingezogener Höfe des Dorfes Wester-Gollwitz und dem Ort ,,zum Hove“.

Johann Albrecht I. beginnt um 1568 mit dem Bau eines festen Hauses an der Stelle der heutigen Schlosswälle. 1614 beginnt der Enkel Johann Albrechts, Adolf Friedrich I. mit dem Bau des Schlosses und der Festung Poel. Vier Jahre später ist der Festungsbau beendet. Baumeister der Festung war der aus Ostfriesland stammende Gherd Evert Pilooth. 1620 verbrachte König Gustav Adolf I. von Schweden mehrere Tage auf dem Schloss.

1615 verkaufen die Stralendorffs ihre letzten Rechte, die sich auf Poel bezogen an Herzog Adolf Friedrich I. Im selben Jahr erlaubt der Herzog den Poelern den Bau einer Windmühle in Fährdorf. Mit Beginn der Schwedenzeit wird die Mühle 1648 zur Amtsmühle erhoben.

1618 beginnt der Dreißigjährige Krieg. 1627 ziehen sie die Dänen auf der Flucht vor der Kaiserlichen Armee unter Wallenstein nach Poel zurück und schiffen sich von dort aus ein. Die Festung wird kampflos an die Kaiserlichen Truppen übergeben. 1628 wird Wallenstein vom Kaiser zum neuen erblichen Herzog von Mecklenburg ernannt. 1631 kehren die vormals des Landes verwiesenen Herzöge aber aus dem Exil zurück und übernehmen wieder die Herrschaft über Mecklenburg. 1635 besetzen die Schweden die Insel und 1638 wieder die Kaiserlichen. Das Schloss ist hiernach unbewohnbar.

1621 entstehen durch die zweite Mecklenburgische Hauptlandesteilung die (Teil-) Herzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Güstrow.

1648 erhält Schweden durch den Westfälischen Friedensvertrag Wismar, das Amt Neukloster und Poel als Reichslehen. Davon ausdrücklich ausgenommen bleiben die vier zum Heilig-Geist-Hospital gehörenden sog. „Lübischen“ Dörfer: Seedorf, Weitendorf, Brandenhusen und Wangern. Sie stehen weiterhin unter Verwaltung des Vogteigerichts der Stadt Lübeck.

Die Insel wird 1648 von der schwedischen Königin Christine an ihren späteren Nachfolger Carl X. Gustav verliehen. Später geht die Insel in Pfandbesitz des schwedischen Generalmajors Anton von Steinberg über. Selbst nie auf Poel wohnhaft, ließ er die Insel durch von ihm eingesetzte Amtmänner verwalten. Von den Amtmännern wird wenig Gutes berichtet. Die Schweden hatten an der Insel auch sonst wenig Interesse. Man überlässt die Poeler weitgehend sich selbst.

Im Schwedisch-Dänischen Krieg 1657-1659 leiden die Poeler unter den Brandenburgischen wie auch den Kaiserlichen Truppen. 1674 beginnt der Schwedisch-Brandenburgische Krieg, in dessen Verlauf Poel 1675 von den Brandenburgern und danach von den Dänen besetzt wird. Bis 1679 bleibt Poel unter dänischer Herrschaft.

1660 wird die Poeler Kirche durch einen Sturm schwer beschädigt.

1685 lässt Gräfin Steinberg verkünden, dass sie nun wieder ihren Poeler Besitz antreten werde. Im Jahr 1694 aber zieht der schwedische König Karl XI. das Amt Poel ein. Nun wieder königliches Amt, wurde es an den Meistbietenden verpachtet.

1692 werden der Poeler Hans Stolte und 1699 die Poelerin Lucie Bernitt als Zauberer bzw. Hexe verbrannt.

Der Nordische Krieg bringt 1711-1720 neues Leiden über die Insel. Die Poeler müssen für die Wismar belagernden Dänen schwere Lasten wie Einquartierungen usw. tragen. 1715 wird Wismar erneut von dänischen, hannoverschen und preußischen Truppen belagert. Die Insel selbst wird am 14.09.1715 von den alliierten Truppen besetzt. Der siebenjährige Krieg (1756-1763) stürzt Poel ein weiteres Mal in tiefe Not.

1728 brennt die Fährdorfer Mühle ab und wird wieder aufgebaut. 1763 wird die Mühle von Müller Ziemsen von Fährdorf auf den Malchower Berg nach Niendorf verlegt. Im Sommer 1778 brennt auch diese Mühle durch Blitzschlag ab.Auch die folgende Mühle ereignet ein solches Schicksal. Ein weiterer Mühlen-Neubau folgt 1801.

Die seit 1799 andauernden Verhandlungen mit Schweden enden am 26.08.1803 im Pfandvertrag von Malmö. Für die Summe von 1.250.000 Rtl. werden die schwedischen Besitzungen Wismar, Neukloster und Poel an Mecklenburg verpfändet. Einlösbar war der Vertrag nach 100 Jahren. Mit dem Pfandvertrag gingen alle Hoheitsrechte wieder auf den Herzog über.

1806 wird die erste Poeler Schule in Kirchdorf gebaut, die sogenannte Küsterschule, später auch “Falck”-Schule - benannt nach ihrem damaligen Rektor. Heute beherbergt das ehemalige Schulgebäude das Inselmuseum.

1826 wird die Insel mit beiden Teilen verwaltungstechnisch dem Domanial-Amt Wismar-Redentin-Poel zugeordnet.

Da die Poeler Bauern des schwedischen Teils der Insel nach dem Dreißigjährigen Krieg sich selbst überlassen wurden, bildete sich dort bis zur Einziehung durch die Krone 1694 ein Gewohnheitsrecht heraus, nachdem sie als freie Eigentümer ihrer Höfe galten. Dies wurde bei der Einziehung des Amtes sogar offiziell von der schwedischen Regierung anerkannt. Weiterhin hatten sich die Bauern des schwedischen Teils die durch Kriegseinwirkung wüst gewordenen Hufen zu ihren Höfen gelegt und diese dadurch erheblich vergrößert. Die Bauern der lübischen Dörfer konnten auf über 500 Jahre unverändertes Recht zurück schauen. Sie waren freie Leute, Eigentümer ihrer Höfe und zahlten weder Pacht für ihr Ackerland noch leisteten sie Hofdienste. Als zu Beginn des 19. Jhdts. die Mecklenburgischen Behörden versuchten, diese alten Rechte aufzuheben und dem restlichen Land rechtlich anzugleichen, verteidigten die Poeler Bauern diese und erreichten letztlich im Jahr 1877 die Anerkennung als freie Hofeigentümer. Die Bauern der schwedischen Seite wurden ab 1830 nur Erbpächter.

Ebenfalls in diese Zeit fiel eine umfassende Veränderung der Siedlungsstruktur. Die Separation der Feldmarken führte dazu, dass nun jeder Hof eine zusammenhängende Ackerfläche bekam. Angestammte Höfe wurden verlassen und abgebrochen und in der zugeteilten Feldmark neu errichtet. Dadurch verschwanden die meisten alten niedersächsischen Hallenhäuser und man errichtete die neuen Hofstellen als Drei-Seiten-Höfe.

1836 entstehen die Schule in Wangern und die sogenannte “Sigglow”-Schule in Kirchdorf. Letztere wurde ebenfalls nach einem dort wirkenden Lehrer benannt und ist heute Sitz der Poeler Kurverwaltung.

1843 wird die hölzerne Brücke in Fährdorf erneuert, 1858 entsteht das Brückenwärterhaus.

Zu Beginn und Mitte des 19. Jhdts. erfolgten in mehreren Etappen die Büdner-und Häusleransetzung auf Poel, um u. a. der Landflucht nichterbberechtigter Bauernsöhne vorzubeugen. Auch sollte so das ländliche Handwerk gefördert werden (viele Büdner gingen einem Handwerk nach)

In der zweiten Hälfte des 19. Jhdts. beginnt die Entwicklung des Bäderbetriebs auf Poel; hiermit entwickelt sich auch ein neuer Erwerbszweig: der Fremdenverkehr. Im Nachhinein entstehen bis zum Ende des Jahrhunderts eine Postagentur, eine Molkerei, ein weiteres Schulhaus und ein Arzthaus.

1872 wird in Timmendorf der heute unter Denkmalschutz stehende Leuchtturm in Timmendorf erbaut. 1930/31 wird der Turm erhöht und mit einer Außentreppe aus Stahl versehen. Bei einer Grundinstandsetzung in den Jahren 1996/97 wurde der Turm teilweise abgetragen und nach einer Stabilisierung der Fundamente neu aufgemauert. Während der Sanierung wurde auch die gesamte Leuchtfeuertechnik durch moderne Anlagen ersetzt.

Ebenfalls 1872 richtet eine schwere Sturmflut riesige Schäden auf der Insel an.

1873 erlässt Großherzog Friedrich Franz II. die „Gemeinde-Ordnung für die Insel Poel“. Demnach bilden alle Orte der Insel eine selbständige Gemeinde.

1883 entsteht das vierte Poeler und dritte Kirchdorfer Schulgebäude, die sogenannte “Schildt”-Schule. Wieder benannt nach einem dort wirkenden Lehrer.

1897 brennt die Niendorfer Windmühle ab. Der Poeler Müller Johann Metelmann lässt daraufhin vom Rostocker Mühlenbauer Hofwolt eine neue Mühle bauen: Ein Galerieholländer, der gleich mit einer Dampfmaschine - später mit einem Elektromotor betrieben werden konnte. So konnte auch unabhängig vom Wind gemahlen werden. Die Windmühle blieb bis 1940 in Besitz der Familie Metelmann. Dann verkauft Metelmann die Mühle an Richard Hallier.

1903 verzichtet Schweden auf die Einlösung des 100 Jahre zuvor geschlossenen Pfandvertrags. Poel, wie auch die anderen schwedischen Besitzungen werden damit wieder endgültig Teil des mecklenburgischen Herzogtums.

1906 vermacht der kinderlose Oertzenhofer Pächter Heinrich Vieth der Gemeinde sein 1898 erbautes Wohnhaus per Testament durch Gründung der “Andreas Vieth´schen Stiftung”, damit sich künftig dauerhaft ein Arzt auf Poel niederlassen kann.

1910 entsteht das erste und einzige Kurhaus am Schwarzen Busch. Eine weitere Bebauung und die Errichtung einer Promenade scheitert an den damaligen Grundbesitzverhältnissen. Dennoch beginnt sich der Bäderbetrieb auf Poel zu entwickeln.

1914 bis 1918 tobt der erste Weltkrieg. Etliche junge Poeler Männer fallen an den Fronten. In Folge des Krieges endet mit der Novemberrevolution das Zeitalter der Monarchie in Deutschland und somit auch in Mecklenburg. Herzog Friedrich Franz IV. verzichtet als einer der letzten deutschen Monarchen am 14.11.1918 auf seinen Thron und emigriert nach Dänemark. Die ehemaligen (Teil-) Herzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz werden zum Freistaat Mecklenburg. Nach 1919 wird Kirchdorf Sitz der Gemeindeverwaltung.

1920 wird eine kommunale Selbstverwaltung der Inselgemeinde eingeführt. Gemeindevertreter und Bürgermeister werden ab nun durch Kommunalwahlen bestimmt. Die Ära der Dorf- und Oberschulzen ist somit zu Ende.

1926/27 werden die beiden alten Holzbrücken in Fährdorf, die die Insel mit dem Festland verbinden, durch eine neue, feste Brücke ersetzt. Hierzu wird auch der Verbindungsdamm zum Festland erneuert.

1933 erfolgt die Aufhebung der kommunalen Selbstverwaltung durch die Nationalsozialisten. Die Einsetzung des Bürgermeisters und der Gemeindevertreter erfolgen nun nach dem sog. „Führerprinzip“.

1939-45 tobt der zweite Weltkrieg. Wieder hat die Gemeinde viele Opfer durch den Krieg und dessen Auswirkungen zu beklagen. Gegen Kriegsende steigt die Zahl der Flüchtlinge auf Poel stetig an. Die Flüchtlinge stammen vor allem aus den Ostgebieten, aber auch aus Hamburg und Wismar. Am 03. oder 04. Mai wird die Insel von sowjetischen Truppen besetzt. In diesem Zusammenhang kam es auch zu Übergiffen gegen die Zivilbevölkerung und zu Plünderungen. Poel wird Teil der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Zeitgleich versenken britische Flugzeuge irrtümlich die “Cap Arkona” , die “Thielbeck” und weitere Schiffe in der Lübecker Bucht. (Die Schiffe waren nicht gesondert gekennzeichnet und mit Bordwaffen ausgestattet.) An Bord befanden sich über 7.000 KZ-Insassen, bewacht von SS-Mannschaften. Über 6.400 Häftlinge fanden bei dem Angriff den Tod. 28 von Ihnen wurden an Poeler Stränden angespült und am Schwarzen Busch beigesetzt. Heute erinnert eine Gedenkstätte am Schwarzen Busch an die Katastrophe und ihre Opfer.

Im Zuge der demokratischen Bodenreform werden auf Poel zehn Großbauern enteignet und bis auf den Malchower Gutsbesitzer und Pflanzenzüchter Dr. Hans Lembke ihrer Höfe verwiesen. Dr. Lembke wurde aufgrund seiner großen Sachkenntnis und daraus resultierenden Unverzichtbarkeit auf seinem nun ehemaligen Hof als Saatzuchtleiter seines von ihm gegründeten Saatzuchtbetriebes eingesetzt. 1946 wird Dr. Hans Lembke zum Professor für Pflanzenzüchtung berufen.

Nach Gründung der DDR und Auflösung der Länder 1952 wird Poel eine Gemeinde im Kreis Wismar, welcher nun zum neuerschaffenen Bezirk Rostock gehört. 1953 entsteht die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG). Im selben Jahr verlässt Richard Hallier, der letzte Poeler Windmüller aufgrund der veränderten politischen Lage und den damit einhergehenden Repressalien gegenüber privaten Handwerksbetrieben die Insel Richtung Westen. Kurz darauf brennt die Niendorfer Windmühle vermutlich durch einen Kurzschluß ab. Poel verliert damit unwiederbringlich eines seiner Wahrzeichen.

Im Dezember 1953 wird auch der Kirchdorfer Fleischermeister Springer enteignet und flieht in den Westen.

1954 wird Poel erneut von einer schweren Sturmflut heimgesucht, die schwere Schäden am Fährdorfer Damm anrichtet und diesen beinahe zerstört.

Im Winter 1960 sinkt der Dampfer “Insel Poel”, der sich bereits außer Betrieb befand in der nordöstlichen Ecke der Kirchsee. Bei extremen Niedrigwasser sind seine Reste noch heute zu sehen.

Am 07.03.1966 stirbt der bekannte Pflanzenzüchter Prof. Dr. hc. Dr. hc. Hans Lembke im Alter von 88 Jahren in Rostock, wo er sich zur Ruhe gesetzt hatte. Er wurde auf dem Lembke´schen Familienbegräbnis auf dem alten Kirchdorfer Friedhof beigesetzt.

1975 wird das neuerbaute Schulgebäude übergeben und erhält den Namen “Wilhelm-Pieck-Oberschule”. Die alten Schulgebäude wurden u.a. zu Wohnzwecken (Wangern) umgebaut.

Nach der Wende 1989 werden im darauffolgenden Jahr die ersten freien demokratischen Wahlen seit mehr als 55 Jahren abgehalten.

1990 erscheint im Dezember die erste Ausgabe des “Poeler Inselblatt” als amtliches Bekanntmachungsblatt der Gemeinde Insel Poel.

1992 wird Poel amtsfreie Gemeide. Im gleichen Jahr kaufen Prof. Lembkes Enkel den großväterlichen Saatzuchtbetrieb zurück. Heute firmiert das Unternehmen als “NPZ-Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG”.

Im Jahr 1993 erhält die Gemeinde Insel Poel die Berechtigung zum Führen eines Wappens. Entworfen wurde es von dem Poeler Lehrer und Heimatforscher Oberstudienrat. i. R. Joachim Saegebarth.

1994 nimmt die “Sanitas” Ostseeklinik am Schwarzen Busch ihren Betrieb auf.

Seit 1997 ist Poel „staatlich anerkannter Erholungsort“, seit 2005 „staatlich anerkanntes Ostseebad“

2006 erhält die Kirchdorfer Schule den Namen ihres größten Sohnes und heißt nun Regionale Schule mit Grundschule Insel Poel “Prof. Dr. hc. Dr. hc. Hans Lembke”

2013 feiert die Insel Poel ihr 850-jähriges Bestehen

 

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