Lembke

Die nachweislich älteste noch heute auf Poel existierende Familie ist die Familie Lembke. Schon 1357 wird in einer alten Urkunde der erste Lembke erwähnt: “filius lemekens in villa Niendorpe in insula Pole colit unum mansum”. Aus dem 15. Jahrhundert sind uns zwei weitere Lembkes auf Poel bekannt: Wulff Lembeke, ein Vitalienbruder (1422) und ein Claus Lemmeke (1478) - seinerzeit zu Seedorf auf Poel ansässig. Vermutlich von letzterem stammen alle weiteren Poeler Lembkes ab. Anhand der späteren Quellen lässt sich ab etwa 1519 fast die gesamte Lembke´sche Verwandschaft bis in die Gegenwart rekonstruieren. Dies ist vor allem dem Wismarer Heimat- und Familienforscher Gustav Willgeroth zu verdanken, der 1934 das Büchlein “Beiträge zur Poeler Familienkunde” herausgab, in dem er ausführlich die Familie Lembke behandelte. Demnach gingen aus der Poeler Familie Lembke verschiedene Zweige hervor, die sich u. a. in Wismar, Schwerin und Lübeck, aber auch im Ausland ansiedelten und fortpflanzten. Vielfach waren die Lembkes kaufmännisch tätig; sie stellten aber auch u. a. in Wismar mehrfach Senatoren und sogar Bürgermeister und waren durch Einheirat mit vielen einflussreichen Familien verwandt oder verschwägert.

Der sicher interessanteste Familienzweig ist der seit Jahrhunderten in Malchow ansässige. Stammvater dieses Zweiges war der Malchower Hausmann David Lembke, der wohl um 1575 geboren wurde. Er war ein Sohn des Fährdorfer Schulzen Asmus und wohl Enkel des Fährdorfer Bauern Jasper Lembke. Davids Sohn Asmus (wohl benannt nach seinem Fährdorfer Großvater) erbte den Malchower Hof von seinem Großvater Chim Bernit. Zuvor wurde der Hof von Asmus´ Urgroßvater Hans und davor von seinem Ur-Urgroßvater Harm Bernitt bewirtschaftet. Asmus führte den geerbten Hof fast ein halbes Jahrhundert von 1627-1674 und durchlebte somit auch die gesamte Zeit des 30jährigen Krieges. Um das Jahr 1675 starb Asmus Lembke - möglicherweise durch die Folgen des Nordischen Krieges, der im September auch Poel traf, als die Brandenburgischen und Dänischen Truppen die Insel plünderten und brandschatzten. Ein Jahr später heiratete seine Witwe ihren zweiten Mann Peter Steinhagen, der den Hof als Interimswirt bis 1701 weiterführte.

In diesem Jahr übernahm der inzwischen volljährige Sohn Davids, Joachim Lembke den Hof und bewirtschaftete ihn bis 1726. In seinen ersten Jahren als Hausmann setzte er die Hofgebäude wieder instand. Auch ihn trafen die Folgen eines Krieges: Während des großen Nordischen Krieges wurde Wismar im Jahr 1711 von dänischen Truppen belagert und Poel musste zusammen mit dem Amt Neukloster neben Einquartierung von Soldaten und Kontributionszahlungen auch die Proviantversorgung der Festung Wismar leisten. Diese Belastungen endeten erst mit der Schleifung der Festung Wismar in den Jahren 1717/1718.

David Lembke, der älteste Sohn von Joachim war mit Christine, einer Tochter des Brandenhusener Oberschulzen Peter Evers verheiratet. Nach seiner Eheschließung und dem Tod seines Vaters im Vorjahr übernahm David den Hof 1726 und führte die Geschicke des Hofes bis zu seinem Tod 1752.

Joachim, der älteste Sohn des vorigen über nahm den väterlichen Hof mit nur 21 Jahren und hatte es in seiner Zeit oft nicht leicht; auch er erlebte einen Krieg - den siebenjährigen Krieg - und litt unter dessen Folgen. Das führte soweit, dass die Poeler Bauern, gebeutelt durch die zwangsweisen Abgaben an die die Preußen 1759 weder Brot- noch Saatkorn hatten. Dennoch heißt es 1759 über ihn: ,,hat 12 Pferde, steht sich am besten von den Bauern. Aber die Preußen haben ihm 4 Pferde und 4 Ochsen weggeführt”. Nach seinem frühen Tod 1771 mit nur 40 Jahren heiratete seine Witwe Johann Friedrich Steinhagen, der den Hof als Interimswirt weiterführte, bis Joachims ältester Sohn David 1793 heiratet und den Hof übernahm.

David Lembke war zweimal verheiratet und hatte mit seinen beiden Frauen 15 Kinder. Seine beiden Ehefrauen starben jeweils kurz nach der Entbindung im Kindbett. David Lembke starb als Altenteiler 1843 mit 78 Jahren.

Joachim, der älteste Sohn von David (aus dessen zweiter Ehe) übernahm 1824 den väterlichen Hof. Er hatte mit seiner früh

verstorbenen ersten Ehefrau eine Tochter. Mit seiner zweiten Frau folgten noch sieben weitere Kinder. In seiner Zeit vollzogen sich die wohl größten wirtschaftlichen Veränderungen in der Poeler Landwirtschaft. Die bisher in Communion liegenden Äcker wurden separiert und jeder Hof bekam eine zusammenhängende Ackerfläche, die fortan individuell bewirtschaftet wurde. Auch wurden die Hausleute nun zu Erbpächtern. Joachim Lembke unterzeichnete mit den anderen Malchower Bauern am 12.06.1830 den Erbpachtvertrag. Infolge der folgenden Separation verlegten Joachim Lembke und sein Nachbar Hans Pierstorf ihre Höfe aus dem Dorf heraus an die heutige Stelle. Lembke legte seinen neuen Hof als modernen Drei-Seiten-Hof an. Das neu erbaute, noch heute erhaltene Wohnhaus wurde am nördlichen, schmalen Ende des Hofes als erster Massivbau des Dorfes errichtet. Vor dem Wohnhaus erstreckte sich der Hofplatz, der westlich und östlich mit zwei großen Scheunen/Stallungen bebaut wurde. Auch die anderen, im Dorf verbliebenen Gehöftsbesitzer brachen in den folgenden Jahren die alten Wohn-Stallhäuser (Niederdeutsche Hallenhäuser) ab und errichteten die neuen Hofgebäude ebenfalls als Drei-Seiten-Höfe.

Im Jahr 1863 übernahm dann Joachims Sohn David den Hof. Er war verheiratet mit Maria, der Tochter seines Malchower Nachbarn Andreas Vieth. David starb aber schon 1870 und hinterließ neben seiner Witwe drei kleine Kinder, darunter den späteren Erben Gustav.

Der Grabstein von Joachim Lembke (vorn rechts) ist der älteste noch erhaltene auf dem alten Friedhof in Kirchdorf.

Zwei Jahre später heiratete Witwe Lembke den jüngeren Bruder ihres verstorbenen Mannes Johann Lembke. Er führte den Hof zunächst als Interimswirt, bis Gustav diesen übernahm. Da Gustav Lembke aber einen größeren Hof auf dem Festland übernehmen wollte (er war später Domänenpächter zu Tempzin), verkaufte er seinen Malchower Hof 1888 an seinen Stiefvater Johann. Unter Johann Lembke begann auch die stete Vergrößerung des Lembkeschen Hofes. So kauft er 1893 den Hof seines Nachbarn Johannes Pierstorf.

Prof. Dr. h.c. Dr. h. c. Hans Lembke  Foto: Inselmuseum Poel

Der größte Sohn der Familie ist zweifellos Hans Lembke. Der 1877 in Malchow auf Poel geborene Sohn von Johann Lembke übernahm 1905 den elterlichen Hof und machte aus diesem in den folgenden Jahrzehnten ein erfolgreiches Saatzucht-Unternehmen. Hierzu vergrößerte er seinen Hof durch Zukauf weiterer Poeler Höfe. Es entstand so das Landgut Malchow mit einer Fläche von 360 ha (Stand 1945). Weitere Flächen wurden auf dem Festland hinzugepachtet. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Hans Lembke wie die meisten Gutsbesitzer in der sowjetischen Besatzungszone durch die Bodenreform enteignet, wurde aber nicht seines Hofes verwiesen, sondern als Saatzuchtleiter eingesetzt. 1946 - 1958 war Lembke Professor für Pflanzenzüchtung an der Universität Rostock. Er erhielt in seiner Zeit als Pflanzenzüchter eine Reihe von Auszeichnungen und Ehrungen wie den Vaterländischen Verdienstorden, den Justus-von-Liebig-Preis, die Erwin-Baur-Medaille und den Nationalpreis II. Klasse (zusammen mit seinem Schwiegersohn Rudolf Schick). Prof. Dr. hc. mult. Hans Lembke starb nach einem erfüllten Leben am 07.03.1966 in Rostock und wurde auf dem Lembke´schen Familienbegräbnis auf dem alten Kirchdorfer Friedhof beigesetzt. Er war der zehnte und letzte Lembke auf Malchow.

Nach der Wiedervereinigung kauften Lembkes Enkel zunächst den Zuchtbetrieb, später auch das Landgut Malchow zurück. Weitere Informationen zur Norddeutschen Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG finden Sie hier.

Der in Hamburg und Mecklenburg häufige Familienname Lembke ist die Kurzform des alten Vornamens Lambert oder Lambrecht und ist somit aus einem Vornamen entstanden.Die verschiedenen Schreibweisen der Poeler Lembkes waren Lembcke, Lembke und auch Lemke - alle Poeler diesen Namens waren und sind jedoch miteinander verwandt.

 

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