Malchow

Malchow liegt auf der östlichen Seite der Insel am Breitling zwischen Fährdorf und Vorwerk und ist eines der drei Poeler Dörfer, die ihren Ursprung bereits in der slawischen Zeit haben. So ist der Ortsname vermutlich vom slaw.“malech” = “der Kleine” abgeleitet. Urkundlich wird Malchow bereits 1302 als “in villa malchowe” erwähnt.

Lage der Höfe in Malchow vor der Separation nach einer Rekonstruktion von Dr. Gertrud Schröder-Lembke

Für das Jahr 1329 sind für Malchow neun Bauernstellen belegt, die insgesamt 16 Hufen Land bewirtschafteten. Im Jahr 1519 sind es bei 15 Hufen nur noch fünf Bauernstellen. Diese fünf Stellen hatten Bestand bis in das 19. Jahrhundert. Ursprünglich lagen diese Höfe im alten Ortskern. Durch die Separation der Feldmarken in den 1830er Jahren veränderte sich das Malchower Dorfbild erheblich, indem die Inhaber zweier Bauernstellen (Lembke und Pierstorf) ihre Höfe abbrachen und außerhalb des Dorfes neu errichteten. Malchow besteht seit dieser Zeit also aus zwei räumlich getrennten Dorfteilen.

Eng mit Malchow verbunden ist die Familie Lembke, die ihren Hof bis 1945 über zehn Generationen bewirtschaftete. Stammvater der Malchower Lembkes war Asmus Lembke, der das Gehöft I einst von seinem Großvater Chim Bernitt erbte und ab 1627 bewirtschaftete. Die Bernitts saßen bereits seit mindestens 1519 auf diesem Hof! Asmus` Nachfahre Johann Lembke begann den Hof zu vergrößern, indem er 1893 den Hof II seines Nachbarn Johannes Pierstorf kaufte, der finanziell am Ende war.

Die Pierstorfs saßen ihrerseits seit drei Generationen auf dem Gehöft II und hatten diesen einst im Erbgang von der in Malchow alteingesessenen Familie Fehrmann übernommen, die den Hof seit mindestens 1665 über fünf Generationen ihr Eigen nannten. Das Gehöft III gehörte einst einem Hans Prien. Von diesem übernahm am 24.06.1695 Carl Vieth den Hof. Über ihn erfahren wir aus einem Inventarium von 1694: ,,Carl Viet, Baumann, deßen Frau Catharina Evers, haben 1 Kind Maria ins 3. Jar; Vieh: 8 Pferde, 1 Füllen, 4 Ochsen, 4 Kühe, 8 Schafe, 12 Schweine. Daß Hauß von 8 Verbundten in ziembl: Stande, die Scheüne vom 7 Verbundten schlecht, daß Backhauß ziebl: Hat 3 Hufen Landes”. Seine Nachkommen führten den Hof über sieben Generationen, bis Andreas Vieth im Jahr 1926 das überschuldete Anwesen an seinen Vetter und Nachbarn Dr. Hans Lembke verkaufte. Das Lembke´sche Gut vergrößerte sich damit abermals beträchtlich. Das Gehöft IV war seit mindestens 1682 in Besitz der Familie Beyer, die den Hof über fünf Generationen bis in die 1850er Jahre führte. Aus dem Inventarium von 1694 geht über diesen Hof folgendes hervor: ,,Jochim Beÿert. Baumann deßen Frau Ilsabe Bernitt haben 6 Kinder: 1. Liese von 12 Jahren, 2. Jochim 9 Jahr, 3. Hanß von 7, 4. Catharina 4 Jahr, 5. Margaretha 2 und 6. Ilse 6 Wochen alt. An Vieh 6 Pferde, 2 Ochsen, 2 Rinder, 3 Kühe 2 Kälber, 8 Schweine 5 Schafe und 2 Lämmer. Hat kein Haus. Die Scheüne von 5 Verbundten, woran er ein Öhrtgen angebauet darin er wohnt, in ziembl: Stande. Hat 2 ¼ Hufen Landes“. Gehöft IV ist vermutlich mit dem im 16. Jahrhundert von Peter Malchow geführtem Gehöft identisch (siehe Tabellen unten). Um 1850 verkaufte Joachim Beyer den Hof an seinen Nachbarn Peter Evers und zog auf eine neu erworbene Stelle in Timmendorf. Das Gehöft V war ursprünglich in Besitz einer nicht näher zuzuordnenden Familie Steinhagen, die den Hof von mindestens 1694 bis in die 1730er Jahre bewirtschaftete. Zu diesem Hof heißt es im Inventarium von 1694: ,,Hanß Steinhagen, deßen Frau Lisbet Evers haben 3 Kinder alt 1. Catharien von 7., 2. Peter von 5. und 3. Hanß von 3 Jahren. An Vieh 8 Pferde ein Füllen 3 Ochsen 1 Rindt 3 Kühe 1 Kalb, 5 Schaafe, 2 Lämmer, 8 Schweine. Daß Hauß von 9 Verbundten in gutem Stande wie auch daß Backhauß gut. Hat 3 ½ Hufen Landes“. Im Jahra 1768 kauft der aus Wangern stammende Claus Evers die Hofstelle und die Familie Evers sitzt noch weitere fünf Generationen auf Hof V, der durch den Kauf von Hof IV in den 1850ern noch vergrößert wird. Ende des 19. Jahrhunderts wird die Familie Hellmann Eigentümer der Höfe IV und V. Nach nur zwei Generationen ist Fritz Hellmann der letzte Hofbesitzer. Er entgeht der Enteignung 1945, da sein Hof unter 100 ha groß ist. Er kommt einer bevorstehenden Zwangskollektivierung (LPG) durch Verpachtung seines Hofes zuvor und bleibt als Landwirt bis 1987 auf dem Hof. In diesem Jahr stirbt Fritz Hellmann hochbetagt mit 90 Jahren.

Bis 1945 ergab sich also folgende Situation: Von den in alter Vorzeit belegten neun Hofstellen “überlebten” bis ins 19. Jahrhundert zunächst fünf, die sich die Ackerflächen der vier wüst gefallenen Höfe zugelegt hatten und dadurch vergrößerten. Gehöft I vergrößerte sich durch Ankauf der Höfe II und III und es entstand das Landgut Malchow bzw. das Saatzuchtgut von Dr. Hans Lembke. Hof V verschmolz durch Kauf von Hof IV ebenfalls zu einem einzigen Gut. So bestanden 1945 von ehemals neun Höfen noch zwei: Das Lembke´sche Landgut und das Hellmannsche Gut. Das Lembke´sche Landgut, bzw. Saatzuchtgut, das durch weitere Hofankäufe und Zupachtungen (auch auf dem Festland) noch weiter wuchs, wurde 1945 im Zuge der Bodenreform enteignet. Nach der Wende kauften Prof. Dr. Hans Lembkes Enkel Teile des ehemaligen Gutes zurück. Heute firmiert das ehemalige Saatzuchtgut unter dem Namen “NPZ Hans Georg Lembke KG”.

 Inhaber der Malchower Hofstellen im 16. Jahrhundert*:

Amt Bukow, Amtsregister 1519

Malechow

M

ß

Peter Malechow

2

4

Hinrick Geystman

 

Hermen Bornith

 

Hennyngk Weytendorp

3

 

Laurens Westingk

3

-4

 

  15 M

Amt Bukow, Amtsregister 1524

Zw Malaw

M

ß

Peter Malaw

2

4

Henrick Gestman

 

Hermen Pornith

 

Henrick Weytendorp

3

 

Laurentz Gestman

3

-4

 

 

Amt Bukow, Amtsregister 1526

Zu Malaw

M

ß

Peter Malaw

2

4

Henrick Gestman

 

Hermen Bornith

 

Henrick Weytendorp

3

 

Lavrents Westinck

3

-4

 

 

Amt Bukow, halbe Landbede 1544

Malechow

M

ß

Henningk Weitendorp, 3 H.

1 ½

 

Laverens Westingk, 2 ¾ H.

 

20

Hinrick Geißman, 3 ½ H.

 

28

Herman Bernith, 3½ H.

1 ½

 

Peter Malechow 2 H. idem vor ¼H.

1 ½

 

Hans Low, katen

1 ½

 

Bertelt Kantzler, katen

1 ½

 

15 hoven, 2 katen

7

12

Amt Bukow, einfache Landbede 1552

Malechow: 15 hoven

M

ß

Peter Weitendorp

3

 

 

Peter Westinck

2

12

 

Hinrich Damlose

 

 

Peter Malchow

2

4

 

Hans Louve, ein kater

 

4

 

Hans Bornith

 

 

Bertelt Kenzeler

 

4

 

15 hoven, 2 katen

 15½

Amt Bukow, Ablager 1556

Malechow: 15 hoven

fl

ß

Peter Westingk

 

3

6

Heinrich Damlose

 

3

6

Hans Bornit

 

3

6

Peter Malechow

 

3

6

Peter Weitendorf

 

3

6

bottlingesgeldt

 

17

6

1 fl 21 ß ochsengeldt

 

 

 

3 Dt. 9 Schl. havern

 

 

 

Amt Bukow, geistliche Pächte 1568

Malchow

fl

ß

Hans Bornith, Er Lautentz Churen

5

8

idem tegeden dem capittel

1

8

Hans Tramme

4

 

Peter Weitendorf

4

 

Peter Malchow

4

 

Heinrich Damlose

5

8

idem tegeden

1

8

 

25

8

Amt Bukow, Land Poel, Beschreibung 1579

Malichow: Zeugen: Hinrich Damlose, 50 j., dort geboren, Achim Malichow, 50 j., dort geboren, Hanß Bernit, 60 j., dort geboren, Peter Weitendorf, 40 j., dort geboren. 15 Hufen, keine Hölzung und Fischerei, ausser Weden auf dem Feld und Fischerei auf der See. “So sindt sie auch mit hohesten und seitesten gerichten, diensten, ablagern, hunern und eyern zu der furstlichen außrichtung, so oft die hertzogen zu Meckelnb. ins ambt Bukow ankommen etc., uff- und ablassen ... dem amt Bukow verwandt gewesen”

Abgaben:

 

Königsbede

Stolbede

Pacht

Zehnten

Rauchhuhn

 

den Fürsten

dem Capittel zu Lübeck

 

fl

ß

ß

fl

ß

fl

ß

Stck.

Achim Malichow

1

12

2

3

 

 

 

 

 

Peter Malichow?

 

 

 

 

4

 

 

 

1

Hinrich Damlose

2

8

3

6

5

8

1

8

1

Hanß Bernit

2

8

3

6

5

8

1

8

1

Peter Weitendorf

2

 

3

 

4

 

 

 

1

Hanß Tramme

1

20

2

9

4

 

 

 

1

 

10 fl 15 ß

25 fl 8 ß

5

20 fl Landbede den Fürsten. “Uber dise vorgeschribene hebungen haben auch die von Stralendorff zu Goldebee und Tramptze jerlich auß dem dorfe Malichow zu heben 20 M”

* Quelle der Tabellen: “Mecklen-burgische Bauernlisten des 15. und 16. Jahrhunderts, Heft 2: Das Amt Bukow mit dem Lande Poel, Schwerin 1938

zu den in den Tabellen verwendeten Abkürzungen:

Dt.

Drömbt (Maßeinheit)

Schl.

Scheffel (Maßeinheit)

fl

Gulden (Währung)

M

Mark (Währung)

ß

Schilling (Währung)

Pfennig (Währung

H.

Hufe (Flächenmaß)

Amt Bukow, Land Poel, Landbede 1584

Malichow hat 15 huefen

huefen

fl

ß

Hans Tramme

2 ¾

3

16

Chim Barnith

4

16

Peter Weytendorpf

3

4

 

Hans Runge

4

16

Chim Malechow

3

 

Hans Scheune, koter

 

 

8

Chim Wulf, koter

 

 

8

Hans Scheune, Leineweber

 

 

16

 

 

21

8

Amt Bukow, geistliche Hebungen 1597

Malichow

M

ß

huen

Hanß Tramme

6

 

1 1578

Chim Barnit

10

 

1 1586

Hanß Runge

10

 

1 1586

Aßmus Everdes

6

 

1 1577

Joachim Malichow

6

 

1 1579

 

38

 

5

Amt Bukow, Land Poel, Amtsregister 1598/99

Malechow

fl

ß

Peter Tramme

4

 

Chim Barnith

6

16

Hans Runge

6

16

Aßmus Everdt

4

 

Chim Malechow

4

 

 

25

8

Land Poel, Beschreibung 1598

Malechow: wonen 5, haben 15 hofen, von diesen dienen 4 umb den andern tagk mit 2 pflugen, der eine aber, Chim Malchow genant, teglich mit 1 pflug, handdienste seind den andern gleich, seyen jerlich 27 Dt. roggen, 28 Dt. gersten, 13 Dt. 6 Schl. erbsen, geben jahrlich 10 fl 13 ß den hern an konninges- und stolbede, 25 fl 8 ß an capittelspacht nach Lubeck, 5 rauchhuener auch dahin, 13 fl 5 ß den Stralendorffern.

Eine umfassende Abhandlung zur Geschichte des Lembke´schen Hofes verfasste die Tochter von Prof. Dr. Hans Lembke, Dr. Gertrud Schröder-Lembke mit dem Büchlein “Malchow auf Poel - Geschichte eines Hofes” - siehe Bücherecke

 

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