Paetow

Die Poeler Paetows gehen zurück auf Peter Christopher Paetow. Dieser war bis ca. 1742 Pächter zu Müggenburg bei Wismar. 1742 heiratete er die junge Niendorfer Witwe Anna Westing, geb. Wegener und wurde so Interimswirt des Niendorfer Hofes. Seine Stieftochter Anna Elisabeth Westing erbte später den Niendorfer Hof und brachte diesen durch ihre Heirat in die Familie Evers ein. Christophers Sohn Jochen Paetow heiratete 1790 die Fährdorfer Hausmannstochter Anna Schmidt, die als älteste Tochter den väterlichen Hof in die Ehe einbrachte. Die Paetows waren über drei Generationen Hausmänner bzw. Erbpächter in Fährdorf bis der letzte - Johann Paetow - sich in den 1870er Jahren in Wismar zur Ruhe setzte und seinen Hof an die Familie Albrand verkaufte. Das damals von den Paetows erbaute Gutshaus existiert noch.

Die heutigen Poeler Paetows (Weitendorf) entstammen ebenfalls dieser Niendorfer/Fährdorfer Linie.

Das von Familie Paetow im 19. Jahrhundert erbaute Gutshaus ist im äußeren Erscheinungsbild bis heute im Wesentlichen erhalten geblieben. Allerdings hatte der rechts im Bild zu sehende Giebel früher einen kleinen Dachreiter und an der Giebelwand war eine große Uhr angebracht. Die Position der Uhr ist heute noch durch das runde Ornament angedeutet. Das Foto entstand 2013.

Erwähnenswert ist sicher auch eine recht interessante Geschichte aus dieser Poeler Familie: Johann Paetow, der letzte Erbpächter dieses Namens in Fährdorf (1825-1899) hatte vier Töchter, die allesamt bei ihren Eheschliessungen “gute Partien” abbekamen. So heiratete die älteste Tochter Amanda später den Wismarer Kaufmann Gustav Paul Neckel, die drittälteste Tochter Olga den Walken-dorfer Inspektor Asmus, die jüngste Tochter Rosa den Gutspächter Nölting zu Neu-Kätwin und die zweitjüngste Tochter Clara den Wismarer Baumeister Julius Lundwall: Das Ehepaar Lundwall siedelte später gemeinsam ins schlesische Troppau (heute Opava) über, wo Lundwall schon seit 1869 lebte. Julius Lundwall galt in seiner neuen Heimatstadt als herausragender Baumeister und Unternehmer. Viele Gebäude - vom Mietshaus bis zur Kirche entstanden unter seiner Federführung. Julius Lundwall starb 1930 in Troppau. Mit seiner Frau Clara hatte er zwei Söhne:

Erich (* 1888) und Kurt (* 1892). Letzterer wurde später Arzt und Professor und ehelichte 1969 die tschechische Schauspielerin Lída Baarová, die Jahre zuvor die Geliebte des “Reichspropagandaministers” Joseph Goebbels war. Schon interessant, wohin Familiengeschichten führen können, oder?

Neben dieser Familie Paetow gab es aber noch weitere Träger dieses Namens auf Poel, die nicht mit der oben genannten Familie verwandt waren:

Bild 14. Joachim Paetow OFB-Nr. 2842

Rentier Joachim Paetow

(1801-1887)

So gab es im 19. Jahrhundert auch die Brüder Joachim und Peter Paetow. Beide stammten aus Kröpelin und waren Söhne des dortigen Kaufmanns und Brenners August Friedrich Paetow und dessen Ehefrau Johanna Dorothea Calsow. Beide waren also verwandt mit der auf Poel ansässigen Familie Calsow. Joachim starb 1887 als unverheirateter Rentier zu Weitendorf im 86. Lebensjahr. Sein Bruder Peter heiratete 1837 auf Poel die Fährdorfer Schulzen-tochter Sophia Lembke. Peter Paetow starb 1871 in Wismar. Vor seinem Ableben begründete er die “Peter-Paetow-Stiftung”. Diese Stiftung war dafür bestimmt, hilfsbedürftige Seeleute wie alte Matrosen, Steuerleute und Schiffer bzw. deren Witwen und eheliche Kinder zu unterstützen. Die Stiftung trat jedoch erst nach dem Tod seiner Witwe in Kraft. Sophie Paetow, geb. Lembke überlebte ihren Mann um mehr als 35 Jahre und starb 92-jährig 1907 in Wismar. Ein gutes Jahr später wurde die Stiftung dann am 25.06.1908 wirksam.

Bild 13. Peter Paetow u. Sophia, geb. Lembke OFB-Nr. (2852)

Peter Paetow (1805-1871) und seine Ehefrau Sophia, geb. Lembke (1815-1907)

Ein kurzes “Gastspiel” auf der Insel gab dann noch die Familie um Karl Paetow, die ab ca. 1890 in Brandenhusen den Hof der dort zuvor über Jahrhunderte ansässigen Familie Evers übernahm. Karl Paetow wurde 1836 geboren und war der Sohn des Pächters Ludwig Ehrenreich Christian Paetow zu Göldenitzer Werder, Rabenhorst und Neukloster und dessen Ehefrau Elise Henriette Juliane, ebenfalls eine geborene Paetow. Bevor Karl Paetow den Brandenhusener Hof übernahm, war er Glasfabrikant zu Alt Schweriner Glashütte. 1862 heiratete er zu Hohen Wangelin die Teterower Bürgertochter Pauline Russow. Karl Paetow starb 1898 in Brandenhusen. Bis etwa 1910 ist Pauline noch als Eigentümerwitwe zu Brandenhusen belegbar. Bis etwa 1913 ist Schwiegersohn Hans Koch noch auf dem Paetow´schen Besitz zugange. Dann wird der Hof offenbar verkauft.

Paetow R

Der Name Paetow ist ein Herkunftsname. Der oder die ersten Namensträger stammten wohl aus dem Ort Pätow in der Nähe von Hagenow.

 

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