Roahl

Die früheste mir bekannte Erwähnung eines Roahl fällt in das Jahr 1698. Bei der schwedischen Landesaufnahme desselben Jahres wird für Kirchdorf der Schmied Michel Rhal (Roahl) erfasst, der offenbar schon einige Zeit auf der Insel lebte. In den wenigen Quellen vor 1698 erscheint dieser Name auf Poel noch nicht. Ob der um 1653 geborene Michel Roahl schon auf Poel geboren wurde oder vielleicht mit der elterlichen Familie auf die Insel kam, liegt derzeit noch völlig im Dunkeln. Auch woher die Familie ursprünglich stammte und welche Bedeutung der ungewöhnliche und seltene Familienname hat ist derzeit noch völlig unklar.
Der Schmiedemeister Michel Roahl lebte nachweislich von 1698 bis 1710 in Kirchdorf auf der dortigen Schmiedestelle. Er hinterließ bei seinem Tod seine Söhne Jacob, Johann und Daniel und seine Witwe, die ihn um 37 Jahre überlebte und erst 1747 starb. Von den drei Söhnen erlernten die beiden älteren ebenfalls das Schmiedehandwerk. Jacob wurde wie der Vater Schmiedemeister und sein jüngerer Bruder Johann war Schmiedegeselle. Ob Daniel ebenfalls dieses Handwerk erlernte ist nicht bekannt. Auch hinterließ er keine Söhne.
Schmiedemeister Jacob Roahl (* um 1692, † 1745) hatte sechs Kinder, von denen fünf das Erwachsenenalter erreichten. Michael, der älteste Sohn (* 1725, † 1803) wurde, wie zuvor Großvater und Vater Schmied, bzw. Schmiedemeister in Kirchdorf. Er hatte aus drei Ehen insgesamt 15 Kinder! Johann Peter (* 1767, † 1816), der älteste Sohn aus der ersten Ehe des Vaters mit der Kirchdorfer Krügerstochter Anna Maria Steinhagen, wurde der Tradition folgend Schmied in Kirchdorf. Verheiratet war er mit seiner Cousine, der Niendorfer Hausmannstochter Anna Lucia Steinhagen, deren Mutter Christina, geb. Roahl, eine Schwester seines Vaters war. Johann Peter starb schon mit 48 Jahren und hinterließ nur einen Sohn und eine Tochter. Sein Sohn hieß ebenfalls Johann Peter (*1801, †1858) und wurde – richtig! – Schmied in Kirchdorf. Er ehelichte 1831 die Kirchdorfer Büdnertochter Catharina Maria Buls, die wie schon die Frau seines Vaters, seine Cousine war (Verwandtenehen waren damals nichts ungewöhnliches).

Das Paar hatte schon vor der Trauung zwei gemeinsame “uneheliche” Söhne, von denen der ältere mit Eheschließung legitimiert wurde. 1833 folgte ein dritter Sohn. Johann Peter Carl, der mittlere der drei Söhne (als Vater gab die Mutter seinerzeit einen Schmiedegesellen Prüssing aus Roggow an), siedelte später auf Festland über, über den jüngsten ist nichts weiter bekannt. Der älteste Sohn Hans Jacob (* 1824, † 1896), benannt nach seinem Großvater mütterlicherseits, wurde Schmied und heiratete Anna Lucia, die Tochter des Gollwitzer Hausmanns David Steinhagen. Er erkannte offenbar die Zeichen der Zeit und erbaute 1880 die heute noch bestehende Ferien-Pension im Möwenweg 7 (ehemals Büdnerei 14, heute Hotel Seemöwe).Von den zwei Söhnen dieser Ehe wurde Jakob, der ältere der beiden, ebenfalls Schmied und verzog offenbar um 1890 mit seiner nicht von Poel stammenden Frau aufs Festland. Jakob war somit der siebte, aber auch letzte Schmied aus der Familie Roahl. Joachim Ernst Gustav (* 1858, † 1941), der jüngere Sohn, übernahm später als Kaufmann und Gastwirt die Geschäfte des Vaters. Verheiratet war Gustav mit Johanna, der jüngstenTochter aus der zweiten Ehe des Gollwitzer Erbpächters Joachim Lembke. Dieser Ehe entsproß der einzige Sohn, der spätere Gastwirt Richard Roahl. Dieser hinterließ nur eine einzige Tochter und mit seinem Tod 1948 starb das Poeler Geschlecht Roahl nach ziemlich genau 250 Jahren im Mannesstamm aus.

 

Der Kaufmann und Gastwirt Gustav Roahl war auch Schulze zu Kirchdorf. Foto von 1915

Foto: Archiv Jürgen Pump

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