Seedorf / Neuhof

Seedorf

Das Dorf Seedorf ist eine Gründung deutscher Siedler, die der mecklenburgische Fürst Heinrich Borwin zu Beginn des 13.Jahrhunderts in sein Land und auch nach Poel holte. Das genaue Jahr der Dorfgründung ist unbekannt. Es erscheint aber bereits in einer Urkunde aus dem Jahr 1311, als der Ritter Konrad von Dotenberg die beiden Dörfer Brandenhusen und Seedorf an das Heilig-Geist-Hospital zu Lübeck verkauft. Seedorf gehörte somit für mehrere Jahrhunderte zu den vier sogenannten “Lübischen Dörfern”. Im 16. Jahrhundert hatte Seedorf sieben Hofstellen. Die damaligen Inhaber der Hofstellen sind aus verschiedenen Quellen* überliefert:

Amt Bukow, Amtsregister 1519

Sedorp

M

ß

Vicke Westingk

2

½

Jorges Munth

3

 

Clawes Parin

3

 

Clawes Zwysow

3

 

Curdt Gawetzow

3

 

Peter Schulte

3

 

Clawes Wegener

3

½

 

  21 M

Amt Bukow, Amtsregister 1524

zum Sedorp

M

ß

Peter Schulten

3

 

Vicke Westing

2

½

Jorgeß Munth

3

 

Claws Zwysow

3

 

Claws Paryn

3

 

Claws Wegener

3

½

Curth Gabetzawe is wust

 

 

 

  

Amt Bukow, Amtsregister 1526

im Sedorp de bede

M

ß

Peter Schulten

3

 

Vicke Westinck

2

½

Jorges Munth

3

 

Claws Zwysow

3

 

Claws Paryn

3

 

Claws Wegener

3

½

Curth Gabetzaw is wust

 

 

 

 

Amt Bukow, halbe Landbede 1544

Sedorp

M

ß

Clawes Paryn, 3 H.

1 ½

 

Hinrick Evert, 2 ½ H.

 

20

Clawes Wegener, 3 ½ H.

 

28

Clawes Munt, 3 H.

1 ½

 

Drewes Paryn, 3 H.

1 ½

 

Herman Lemmeke, 3 H.

1 ½

 

wust by Gagetzowen erve

1 ½

 

wust van 1 katen

 

2

18 hoven

  9

Amt Bukow, einfache Landbede 1552

Sedorp: 21 hoven

M

ß

Achim Barckhane

3

 

 

Hinrich Everßders

2 ½

 

 

Hans Wegener

3 ½

 

 

Claves Munth

3

 

 

Jacob Geistman

3

 

 

Hermen Lemeke

3

 

 

Claves Swerte

3

 

 

Hinrich Everders vam katen

 

4

 

 

21

4

 

Amt Bukow, Pächte des HGH zu Lübeck 1565

Sehedorpf

Geld

Gerste

fl

ß

Dt.

Schl.

Claus Schwarte

2

 

4

6

Achim Schune

2

8

6

 

Claus Munth

1

20

4

6

Jacob Schulte

1

20

3

7

Jacob Geistman

1

16

3

4

Claus Rust

1

20

4

6

Peter Berckhane

2

 

6

 

 

13

12

32

5

Amt Bukow, geistliche Hebungen 1571

Sehedorpf

fl

ß

Jacop Schultze

 

14

Mychel Mundt

 

15

Asmus Rust

 

22

Vicke Everdt

 

23

Jacop Everdt

1

8

Hanß Schwartze

 

20

 

5

6

Amt Bukow, Land Poel, Beschreibung 1579

Sehedorf: Zeuge: Asmus Rust, schultz, 40 j., geboren zu Weitendorf. 7 Bauleute, 21 Hufen. Gericht, Dienste, Ablager, Hühner und Eier zur Ausrichtung, Auf- und Ablass zum Amt Bukow.

Abgaben:

 

  Königs-  bede

  Stol-   bede

Pacht

Zehnte

Pacht

Rauch-huhn

Pachte

 

Capitel

Geld

Gerste

Geld

Hafer

 

den Fürsten

 

 

Heil. Geist Lübeck

 

 

 

 

fl

ß

ß

fl

ß

fl

ß

fl

ß

Dt.

Schl.

Stck.

fl

ß

 

Asmus Rust

2

 

3

 

 

12

 

22

1

20

4

6

1

 

12

1*

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6

**

Michel Mundt

2

 

3

 

 

12

 

15

1

20

4

6

1

 

12

1*

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6

**

Vicke Everdt

2

 

3

 

1

 

 

23

1

16

 

 

1

1

 

1*

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

12

**

Jacob Schultz

1

16

2

6

 

3

 

14

1

16

3

7

1

 

 

 

Jacob Everdt

2

 

3

 

 

 

1

8

2

 

4

6

1

 

 

 

Hans Schwartz

2

 

3

 

 

 

 

20

2

 

6

 

1

 

 

 

Achim Schune

2

8

3

6

 

 

 

 

2

8

6

 

1

 

8

***

 

16 fl 21 ß

5 fl 6 ß

16 fl 16 ß

 

 

   7 Rauchhühner

                         28 fl Landbede                           50 Dt. Gerste          3 Schl. Hafer

* den von Stralendorff; ** dem Prediger zu Moisall;  *** der Kirchen auf Pöl; von einer Katenstätte

Amt Bukow, Amtsregister 1585/87

Sehedorpf

Geldpechte

Konningsbede

Stolbede

 

fl

ß

fl

ß

ß

Aßmuß Rust

 

12

2

 

3

 

Michel Mundt

 

12

2

 

3

 

junge Peter Vehrman

1

 

2

 

3

 

Jacob Schultze

 

 

1

16

2

6

Jacob Everdt

 

 

2

 

3

 

Jasper Barnith

 

 

2

 

3

 

Chim Scheune

 

 

2

8

3

6

 

2

 

14

 

21

 

* Quelle der Tabellen: “Mecklenburgische Bauernlisten des 15. und 16. Jahrhunderts, Heft 2: Das Amt Bukow mit dem Lande Poel, Schwerin 1938

 

zu den in den Tabellen verwendeten Abkürzungen:

Dt.

Drömbt (Maßeinheit)

Schl.

Scheffel (Maßeinheit)

fl

Gulden (Währung)

M

Mark (Währung)

ß

Schilling (Währung)

Pfennig (Währung

H.

Hufe (Flächenmaß)

Durch die Wirren des 30jährigen Krieges fielen drei der sieben Hofstellen wüst, deren Ackerfläche sich die verbliebenen Hofbesitzer zulegten und ihre Flächen dadurch erheblich vergrößerten. Für die Zeit bis etwa 1698 fehlen mir aber bisher noch Hinweise zu den Besitzverhältnissen der verbliebenen vier Höfen. Nach einem Inventarium von 1694 und durch die Unterlagen der schwedischen Landesaufnahme im Jahr 1698 werden diese vier verbliebenen Höfe jedoch beschrieben und die Besitzer namentlich genannt: 1. Clawes Winter (1698 Oberschulze), 2. Petter Steinhagen, 3. Hinrich Kröger (1694) Krögersch, eine Witwe (1698) und 4. Hinrich Grubb (1694 aber Carl Vagt!). Von diesen vier Höfen überdauerten die Zeiten nur zwei. Die anderen beiden gingen zu Beginn des 18. Jahrhunderts durch Zusammenlegung im dem so neu geschaffenen “Neuhof” auf.

Der erste der zwei verbliebenen Seedorfer Höfe geht auf den o. g. unter 2. erwähnte Petter Steinhagen zurück. Er war ein Sohn des Seedorfer Hausmanns Asmus Steinhagen, der um 1660 schon zu Seedorf geboren wurde. Dessen Vater gleichen Namens starb 1711 im Alter von 86 Jahren in Seedorf und wurde folglich um das Jahr 1618 geboren. Möglicherweise war dieser ein Enkel des in den obigen Tabellen erwähnten Asmus Rust, wenn man davon ausgeht, dass Asmus Steinhagen seinen Vornamen von seinem mutmaßlichen Großvater bekam. Aber das bleibt reine Spekulation. Der Steinhagensche Hof blieb jedoch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Besitz der Familie und stellte mehrere Oberschulzen der Insel. Letzter Besitzer dieses Seedorfer Hofes war der Seedorfer Oberschulzensohn Gustav Steinhagen, wie aus einem Grundbrief aus dem Jahr 1876 hervorgeht. Die Größe des Hofes wird in diesem Grundbrief mit 164 ha angegeben. Als allerletzter Steinhagen auf diesem Hof erscheint im Jahr 1900 als Verwalter noch Albert Steinhagen, der Onkel des letzten Besitzers. Danach wurde der Hof offenbar (an Wilhelm Regenstein?) verkauft.

Der zweite der beiden verbliebenen Höfe ist vermutlich der des o. g. unter 1. erwähnten Seedorfer Oberschulzen Clawes (Claus) Winter. Dieser wird im Jahr seines Todes 1714 als Oberschulze zu Seedorf erwähnt. Sein um 1685 geborener ältester Sohn Claus hatte keine Söhne, aber mehrere Töchter, von denen Anna Lucia, die älteste, zunächst mit einem Hinrich Prien und später mit einem Nicolas Westing verheiratet war. Sie überlebte beide und heiratete als junge, zweifache Witwe 1741 den aus Wangern stammenden Hauswirtssohn Hans Steinhagen. Der dieser Ehe entstammende älteste Sohn Jacob führte den Hof weiter, bis sei ältester Sohn Hans diesen übernahm. Dieser erscheint später schon als Miteigentümer von Neuhof. Dessen Sohn Hans Jacob wird später Eigentümer von Neuhof.

Neuhof

Grundbrief Hof Seedorf 1876

Der “Neue Hof” liegt etwa 2 km westlich von Kirchdorf und ist geschichtlich untrennbar mit dem in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Seedorf verbunden: Neuhof ist vergleichsweise jung und entstand in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch Zusammenlegung dreier Seedorfer Hofstellen. Die genaue Entstehungszeit ist nicht bekannt, es finden sich aber in den Akten des Wismarer Tribunals Hinweise darauf, dass das Gut Neuhof bereits vor 1739 existierte. Denn in diesem Jahr kaufte der aus Waschow stammende Poeler Amtmann Carl Wolter v. Graevenitz das Gut Neuhof für 4.550 Reichstaler. Dieser wiederum verkauft das Gut 1746 für 7.333 Reichstaler an einen Ernst Hinrich Hundt. Für die Jahre 1764 bi 1766 ist als Verwalter des Gutes der Poeler Amtmann Heinrich Christopher Jörns belegt. Ihm folgten in den kommenden Jahren als Pächter Jochen Peter Lange, Georg Carl Dahlmann, Carl Sager und Johann Gabriel Wegener, die alle keine Poeler waren. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts taucht der erste Poeler - ein Steinhagen - auf Neuhof auf. Im Jahr 1811 wird der Seedorfer Hausmann Hans Steinhagen im Kirchenbuch als Miteigentümer von Neuhof bezeichnet. Wer der oder die anderen Miteigentümer waren, ist mir bisher nicht bekannt. Hausmann Hans Steinhagen starb am 03.06.1811 mit nur 34 Jahren. Er “gerieth gestern Abend in dem Kruge zu Weitendorf in einen Streit mit einem Douanen [Zollbeamten] namens Klug, ward von demselben mit seinem Sabel durchstochen und starb heute Mittag um eilf Uhr”. Steinhagens Witwe heiratete darauf einen Johann Jochim Steinhagen (nicht verwandt mit dem ersten Mann), der den Neuhof als Interimswirt weiterführte, bis Hans Jacob (genannt “Hans von Baben”) den Hof in den 1830er Jahren übernahm. Hans von Baben prozessierte fast sein ganzes Leben vor Gericht um seine Anerkennung als“Eigentümer” und erlebte kurz vor seinem Tod 1877 noch das zu seinen Gunsten gefällte Urteil, welches ihn und seine Erben zu echten Eigentümern ihres Hofes machte. Hans von Babens Sohn Hans Peter Steinhagen übernahm den väterlichen Hof laut Grundbrief im Jahr 1873, verkaufte sein Erbe aber einige Jahre später an einen Wilhelm Regenstein, der aus der Schweriner Gegend kam.

Regenstein kaufte offenbar auch den o. g. Seedorfer Hof dazu, denn als er 1911 Neuhof wieder verkauft, gehört der Seedorfer Hof bereits zum Gesamt-Gut.Wilhelm Regenstein besaß das Gut Neuhof bis 1911. Dann verkaufte er das Gut an den aus Bad Godesberg stammenden Paul Maertens. Aus dem erhaltenen Kaufvertrag vom 31.08.1911 geht folgendes hervor (Auszüge):

“Zwischen dem Herrn Gutsbesitzer Wilhelm Regenstein - Neuhof als Verkäufer einerseits u. dem Herrn Oberleutnant der Reserve [Paul Maertens] andererseits, ist der nachstehende Kaufvertrag abgeschlossen. Herr Regenstein verkauft Herrn Maertens 1.) das Gut Neuhof. 2.) das Gut Seedorf. 3.) die Büdnerei Nr. 1 zu Neuhof. 4.) die Büdnerei Nr. 2 zu Neuhof; in denjenigen Scheiden u.Grenzen, in welchen diese Grundstücke belegen sind, je doch ohne Gewährleistung für Grösse und Beschaffenheit derselben mit allen darauf befindlichen Gebäuden u. mit allem, was auf denselben erd, ... band, klammer, niet, nagel u. wurzelfest ist, soweit solches als Zubehör anzusehen ist, u. dem Verkäufer gehört, mit allen Rechten u. Gerechtigkeiten, aber auch mit allen darauf ruhenden Lasten u. Dienstbarkeiten, dieselben mögen bekannt oder unbekannt in diesem Vertrage erwähnt oder nicht erwähnt sein. Mitverkauft sind sämtliche am heutigen Tage vorhandenen Vorräte an Korn, Kartoffeln, Klee, Heu, Stroh u. Dung, u. darf Verkäufer von diesen Vorräten nichts mehr verkaufen. Insbesondere sind auch mitverkauft das bereits gedroschene u. an die Firma Löwenthal-Wismar gelieferte Getreide. Mitverkauft wird weiter, daß gesamte auf den Gütern beziehungsweise Büdnereien befindliche lebende u. tote Vieh, Feld u. Wirtschaftsinventar...”

Grundbrief Neuhof 1876

Oben: die Hofeinfahrt von Gut Neuhof - Farbfoto aus den 30er Jahren.

Rechts: Kuhstall und Scheune von Gut Neuhof aus der Sicht des Gutshauses. Im Bild links unten die Hofeinfahrt. Das große Stallgebäude rechts im Bild stand noch bis vor wenigen Jahren und wurde dann abgerissen.

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Familie Schulz - Neuhof

Der damalige Kaufpreis für die beiden Güter Neuhof und Seedorf nebst Büdnereien und Ernte betrug 800.000 Mark. Die Höfe Seedorf und Neuhof bildeten eine wirtschaftliche Einheit. In den folgenden Jahren kamen noch einige Neubauten hinzu und das Gut Neuhof existierte bis zur Enteignung der Besitzerfamilie Maertens durch die Bodenreform 1945.

Heute erinnert weder in Seedorf, noch in Neuhof etwas an die einst großen Gehöfte. Vom Hof Seedorf ist nur das ehemalige Gutshaus geblieben, welches heute noch immer Wohnzwecken dient. Auch vom Gut Neuhof hat außer dem Gutshaus nichts die Zeiten überdauert. Die letzten Wirtschaftsgebäude in Neuhof wurden erst vor wenigen Jahren abgerissen und das sanierte Gutshaus ist ebenfalls Wohnhaus.

Nachkommen von Paul Maertens kamen nach der Wende wieder nach Poel zurück. Sie betreiben seit Anfang der 90er Jahre das Gestüt Neuhof.

 

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