Verschwundenes

Das Gesicht der Insel hat sich im Lauf der Jahrhunderte immer wieder gewandelt. Gebäude verschwanden und wurden durch andere ersetzt. Manche Häuser haben die Zeiten überstanden, andere mussten weichen. Um so interessanter ist es, einmal einen Blick auf erst in den letzten Jahrzehnten Verschwundenes zu werfen:

Mit dem Verschwinden der niederdeutschen Hallenhäuser ging nicht nur auf Poel eine bauliche Epoche zu Ende. Die teilweise jahrhundertealten Häuser wichen neuen, massiven Wohngebäuden, in denen man nun nicht mehr mit dem Vieh unter einem Dach lebte. Zuerst verschwand dieser Haustyp wohl bei den wohlhabenderen Bauern, die ab den 1830er Jahren nun als “Erbpächter” ihre alten Höfe abrissen und - teilweise an anderer Stelle - als Drei-Seiten-Höfe neu errichten. Die weniger vermögenden Büdner und Kätner lebten ih ihren noch nach altem Typ errichteten Häusern noch um einiges länger. Viele dieser alten Katen existierten noch weit bis in das 20. Jahrhundert, bis auch sie weitgehend abgetragen wurden. Typisch für diese alten Häuser war der Giebelschmuck: Die gekreuzten Pferdeköpfe bzw. der sogenannte “Baldurstab”, auch “Wendenknüppel” oder “Donnerbesen” genannt. Heute findet man diese Dachzierde nur noch an wenigen Poeler Gebäuden, wie z. B. an der Scheune in Niendorf-Hof oder dem alten Bauernhaus in Wangern.

Links im Bild sieht man die gekreuzten Pferdeköpfe an einem Gebäude der ehemaligen Domäne Kaltenhof. Das Bild entstand 1972 und heute ist von der gesamten Hofanlage - bis auf das Gutshaus nichts mehr erhalten. Im rechten Bild sieht man den “Donnerbesen” auf einem Gebäude der ehemaligen Domäne Oertzenhof. Hier auch gut zu sehen das “Uhlenlock”, eine Öffnung, die zum einen als Rauchabzug diente (Schornsteine kamen erst später auf), zum anderen Eulen - daher der Name - eine Einflugmöglichkeit gaben. Dies war gewünscht, damit die Eulen im Haus auf Mäusejagd gehen konnten. Auch dieses Foto entstand 1972 und das Gebäude existiert längst nicht mehr. Zur Bedeutung dieser Giebelzeichen konnte ich in der Literatur nichts wirklich erhellendes finden. Sicher dienten diese Zeichen als Schmuck und sollten wohl auch drohendes Unheil, wie beispielsweise Blitzschlag, von Haus und Hof abwehren.

Auf den vier folgenden Fotos sieht man typische Gebäude der damaligen Zeit. So ist auf dem Bild links oben die Kirchdorfer Büdnerei 5 zu sehen. Sie befand sich südlich, unmittelbar hinter der damaligen Bäckerei Wilcken. Die Büdnerei wurde 1935 abgerissen und ist bis heute eine Grünfläche am südlichsten Zipfel des Dorfes. Auf dem Bild rechts oben sieht man eine alte Büdnerei in Weitendorf. Bewohnt wurde sie einst von der Weitendorfer Familie Stampe, später von der Familie Garf. Im Jahr 1970, als das Bild entstand, diente das schon sehr in Mitleidenschaft gezogene Gebäude noch einer Weitendorfer Familie als Stallgebäude. Auch dieses Haus existiert heute längst nicht mehr. Links unten ist eine alte Büdnerei in Niendorf zu sehen. Dieses Bild stammt aus dem Jahr 1972 und auch dieses Haus ist inzwischen längt abgerissen. Zuletzt sieht man auf dem Bild rechts unten noch eine weitere Büdnerei, die sich auch in Weitendorf befand. Sie wurde zuletzt von einer Familie Tramm bewohnt und erst 1992 abgerissen.

 Büdnerei 5 in Kirchdorf

Foto: Archiv J. Saegebarth, Kirchdorf/Poel

 Büdnerei in Niendorf

Foto: Archiv J. Saegebarth, Kirchdorf/Poel

 Büdnerei Stampe, Weitendorf

Foto: Nachlass Pastor Schmidt, Kirchdorf/Poel

 Büdnerei Tramm, Weitendorf

Foto: Archiv J. Saegebarth, Kirchdorf/Poel

Andere Poeler Gebäude, ja ganze Gebäudekomplexe wurden erst nach der Wende 1989/90 abgerissen und verschwanden somit aus dem jeweiligen Dorfbild. Auch an diese Gebäude soll hier einmal erinnert werden:

Bis 1992 gehörte die Büdnerei 40 noch zum Kirchdorfer Ortsbild. Dann wurde das um 1900 erbaute Wohnhaus abgerissen. Die Stelle wurde inzwischen längst neu bebaut. Im Hintergrund links sieht man das ehemalige Arzthaus (Viethsche Stiftung), heute Mehrgenerationenhaus. Die Büdnerei 39 befand sich einst in unmittelbarer Nachbarschaft zur Büdnerei 40. Dieses Gebäude war einst in Besitz der Familie Mahncke, die hier ein Restaurant mit Pension betrieb. Nebenbai war Mancke auch als Seegras-Großhändler tätig. Das Haus wurde zu DDR-Zeiten als Betriebsferienheim der Schweriner Post genutzt.Die angeschlossene öffentliche Konsum-Gaststätte “Am Markt” wurde unter Einheimischen auch “Stadtmitte” genannt. Unten links sehen wir die Büdnerei 2, auf der sich bis Mitte der 1990er Jahre die ehemalige Pension Völter befand. Das Gebäude mit angeschlossenem Saal wurde in Zeiten der DDR u.a. als Lehrlingswohnheim genutzt. Im ehemaligen Biergarten der Pension entstand eine Maschinen-Traktoren-Station mit Werkstattgebäuden. Der Saal der Pension wurde auch als Kino genutzt. Heute stehen auf dem Gelände Wohnhäuser. Unten rechts sieht man die Büdnerei 23, einst am Markt gegegen und u.a. von einer Familie Lange bewohnt. Heute befindetsich hier das “Malbuch” (Geschäft/Galerie).

 Büdnerei 40 in Kirchdorf

Foto: Archiv J. Saegebarth, Kirchdorf/Poel

 Büdnerei 2 in Kirchdorf

Foto: Archiv J. Saegebarth, Kirchdorf/Poel

 Büdnerei 39 in Kirchdorf

Foto: Archiv J. Saegebarth, Kirchdorf/Poel

 Büdnerei 23 in Kirchdorf

Foto: Archiv J. Saegebarth, Kirchdorf/Poel

weitere Ergänzungen folgen

 

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