Vieth

Die inzwischen ausgestorbene Poeler Familie Vieth geht zurück auf den um 1660 geborenen Carl Diederich Vieth. Dieser kam damals von ausserhalb nach Poel und übernahm nach Angaben in alten Quellen am 24.06.1695 in Malchow die Hofstelle des Hausmanns Hans Prien. Verheiratet war er mit Catharina Evers, Tochter aus einer alteingesessen Poeler Familie. Aus dem Inventarium von 1697 erfahren wir folgendes über ihn:

“Carl Viet, Baumann, deßen Frau Catharina Evers, haben 1 Kind Maria ins 3. Jahr; Vieh: 8 Pferde, 1 Füllen, 4 Ochsen, 4 Kühe, 8 Schafe, 12 Schweine. Daß Hauß von 8 Verbundten in ziembl: Stande, die Scheüne von 7 Verbundten schlecht, daß Backhauß ziembl: Hat 3 Hufen Landes.”

Das ehemalige Wohnhaus der Familie Vieth in Malchow

Den Malchower Hof bewirtschaftete die Familie Vieth über sieben Generationen, bis der letzte Besitzer, Andreas Vieth (Sohn von Carl Gustav Vieth) den überschuldeten Hof im Jahr 1926 an seinen Nachbarn und Vetter Dr. Hans Lembke verkauft. Der Hof wird somit Teil des Lembke´schen Landguts Malchow. Der unverheiratete und kinderlose Andreas war auch der letzte Vieth auf Malchow. Mit seinem Tod 1933 erlosch das Geschlecht auf Poel.

Grabsteine auf dem noch erhaltenen Erbbegräbnis der Familie Vieth auf dem alten Friedhof in Kirchdorf

Die Andreas Vieth´sche Stiftung (Kirchdorf, Möwenweg 2 – heute Mehrgenerationenhaus)

Noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es keinen dauerhaft ansässigen Arzt auf der Insel. Ärztliche Hilfe musste ggf. vom Festland geholt werden und nicht immer kam diese Hilfe auch rechtzeitig. Die Versuche der Poeler Gemeinde einen Arzt dauerhaft auf der Insel anzusiedeln scheiterte mehrfach daran, dass diesem kein geeigneter Wohnraum zur Verfügung gestellt werden konnte. Das Schicksal eines Poeler Kindes, das um diese Zeit an Diphterie erkrankte und starb, bevor ein Arzt aus Wismar zur Stelle war, veranlasste den Poeler Pächter Heinrich Vieth, sein 1898 in Kirchdorf erbautes Wohnhaus einem Arzt als Praxis- und Wohnhaus zur Verfügung zu stellen. Er selbst siedelte 1901 nach Wismar über. Im Jahr 1906 vermachte Vieth sein Wohnhaus testamentarisch als „Andreas Viethsche Stiftung“ der Gemeinde Insel Poel. Zweck der Stiftung war laut Testament ,,…der Gemeinde Poel die Haltung eines Gemeindearztes zu erleichtern. Das Haus und der Garten soll unter keinen Umständen zu einem anderen Zweck benutzt oder eingerichtet werden. Der dazu gehörige Acker darf nicht bebaut werden, da es mein Wunsch ist, dass das Wohnhaus stets eine freie Lage behält. Die Gemeinde Poel ist verpflichtet, das Haus und die dazugehörigen Anlagen stets in einem guten Zustand zu erhalten. Der Gemeindearzt ist berechtigt, einen Teil der Wohnung an Badegäste oder ordentliche stille Leute zu vermieten. Jedoch ist eine Vermietung an Gastwirte oder Kaufleute mit offenen Verkaufsräumen streng untersagt. Sollte auf Poel während eines längeren Zeitraumes kein Gemeindearzt vorhanden sein, so ist die Gemeinde berechtigt, das Haus anderweitig an ordentliche Leute zu vermieten“

Das ehemalige Wohnhaus von Heinrich Vieth - das als Andreas Vieth´sche Stiftung viele Jahrzehnte Poeler Ärzten als Praxis und Wohnung diente. Heute beherbergt das “Mehrgenerationenhaus” den Verein “Poeler Leben”

Andreas Vieth

(1837-1885)

Der Name der Stiftung geht auf Andreas Vieth, den Bruder des Stiftungsgründers zurück. Andreas Vieth wurde 1837 als ältester Sohn von Andreas Vieth und Anna Sophia, geb. Evers in Malchow geboren. Er wurde später Gutspächter in Zarfzow Den väterlichen Hof in Malchow übernahm später Carl Gustav Vieth, der jüngste Bruder von Andreas und Heinrich. Verheiratet war Andreas Vieth mit der in Rodenberg geborenen Gutspächtertochter Luise Burmeister. Das Paar hatte eine einzige Tochter, die 1887 mit nur fünf Jahren an Diphterie starb. Andreas Vieth war schon zwei Jahre zuvor, im Jahr 1885 mit nur 47 Jahren gestorben.

Heinrich Vieth heiratete 1889 die Witwe seines älteren Bruders. Diese Ehe blieb kinderlos. Das Paar lebte ab 1901 in Wismar, wo Heinrich Vieth 1911 im Alter von 74 Jahren starb. Seine Witwe überlebte ihn um 25 Jahre und starb 1937 in Wismar. Möglicherweise war der Tod von Heinrichs Nichte im Jahr 1887 der Grund für die Errichtung der Vieth´schen Stiftung.

Heinrich Vieth

(1839-1911)

Westentlicher Zweck der Stiftung heute: „Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen, die nur geringe Einkünfte haben und auf fremde Hilfe angewiesen sind. Dies erfolgt im Rahmen gemeinnütziger, mildtätiger Vorhaben für die Gemeinde Insel Poel.“

 

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