Wegener

Wann die ersten Wegeners nach Poel kamen und woher sie stammten, ist heute nicht mehr feststellbar. Der Name Wegener erscheint aber schon in frühen Quellen, wie in einem Amtsregister von 1519. In jenem Jahr wird ein Clawes Wegener zu Seedorf erwähnt. Ob dieser ein Vorfahr der späteren Wegeners ist, lässt sich heute nicht mehr sagen. Bei der schwedischen Landesaufnahme im Jahr 1698 wird dann ein Bauer Hans Wegener zu Weitendorf erwähnt. Dieser Hans war der Stammvater aller Poeler Wegeners. Ursprünglich lag das Wegener´sche Gehöft im Dorf Weitendorf, wurde aber nach der Neuaufteilung der Feldmarken in den 1830er Jahren aus dem Dorf heraus verlegt. Somit entstand Weitendorf-Hof.

Dieser neue Hof wurde seinerzeit als moderne Drei-Seiten-Anlage errichtet. Mittelpunkt bildete das Gutshaus, flankiert von Großviehstall und Scheune. Aus dem Niekammerschen Güter-Adressbuch von 1908 erfährt man über den Wegener´schen Hof folgendes: Der Hof war 199,4 ha groß; an Viehbestand hielt man 22 Pferde, 110 Rinder (davon 52 Kühe), 116 Schweine und 20 Schafe.

Die Wegeners saßen mehr als 200 Jahre auf Weitendorf, bis der letzte Weitendorfer Wegener, welcher der Tradition folgend auch Hans hieß, seinen Hof im Jahr 1912 an eine von auswärts kommende Familie Eggers verkaufte, und sich in Wismar zur Ruhe setzte. Das Gutshaus existierte noch bis 1964 und wurde dann abgerissen.

Die noch erhaltene Familiengrabstätte der Weitendorfer Wegeners auf dem alten Friedhof in Kirchdorf. Zustand 2012

Johann Jochen Wegener, ein 1770 in Weitendorf geborener Sohn des dortigen Hans, heiratete 1802 die junge, kinderlose Witwe des Brandenhusener Hausmanns Nicolaus Buck und begründete somit den Brandenhusener Ast des Geschlechts Wegener. Jochim Hinrich, der jüngste Sohn dieses ersten Brandenhusener Wegener wurde zunächst Pfarrackerpächter in Kirchdorf und später Kätner und Krüger zu Fährdorf. Sein Sohn Joachim heiratete seine Cousine Maria Wegener aus Weitendorf und begründete mit ihr den Fährdorfer Unterast der Familie. Gustav, ein Sohn aus dieser Ehe war mit einer Auswärtigen verheiratet und war Gastwirt und Pferdehändler in Fährdorf. In den 1930er Jahren gelangte die Fährdorfer Familie durch Kauf in den Besitz zweier Gollwitzer Hofstellen und wurde in Gollwitz ansässig.

 

Auf dem linken Bild ist der Fährdorfer Gastwirt und Pferdehändler Gustav Wegener zu sehen. Er lebte von 1872-1924. Rechts im Bild seine Ehefrau, die aus Wittenbeck stammende Frieda, geb. Levetzow. Sie lebte von 1878 bis 1939 und war ab 1931 Besitzerin der beiden Gollwitzer Höfe, die später der Sohn Gustav bewirtschaftete.

Der 1905 noch in Fährdorf geborene Sohn Gustav Wegener war bis zu seiner Enteignung 1945 Landwirt in Gollwitz. Mit der Enteignung 1945 und der damit einhergehenden Vertreibung der Familie endete die jahrhundertlange Geschichte der Familie Wegener auf Poel. Gustav Wegener starb 1969 in Redentin. Er war der einzige der zehn durch die Bodenreform enteigneten Poeler Hofbesitzer, der nach der Enteignung nicht in den Westen ging.

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