Ein Zufallsfund

ein Protokoll aus dem Jahr 1853 - gefunden und ersteigert bei EBAY

Beim Stöbern auf EBAY fand ich kürzlich untenstehendes Protokoll aus dem Jahr 1853 und kaufte es, ohne zu wissen was eigentlich der Inhalt des vierseitigen Schriftstückes war. Nach Erhalt begann ich (mit Unterstützung) den Inhalt zu transkribieren und es stellte sich heraus, dass es um einen Streit zwischen Poeler Fischern und deren Berufsgenossen auf dem Festland ging, der am 24. Mai 1853 in Kaltenhof verhandelt wurde. Eigentlich nichts besonderes, aber dennoch ein zeitgeschichtlich recht interessantes Dokument, dass uns die Sorgen und Probleme unserer Vorfahren (hier der Poeler Fischer) ein wenig näher bringt.

Protokoll1
Protokoll5
Protokoll3
Protokoll4

 

Copia

Protocollum
gehalten
Großhz. Amt Poel zu Kaltenhof, d. 24 May 1854
in Gegenwart
des Herrn Amtsmitarbeiters Adv. Zickermann
 

a me subscr[iptor]

Man hatte auf heute laut [64] aet. die Fischer Brusch und Schwarz von Gollwitz, Pet. Steinhagen Weitendorf, Gagzow Vorwerk und Grützmacher Fährdorf vorgeladen, um mit ihnen aus Veranlassung namentlich der vom Großh. Amte Neubukow mehrfach eingegangenen Beschwerden über das von den Poeler Fischern betriebene verderbliche Aalsegeln wegen Abstellung desselben zu reden.
Erschienen waren nur die beiden genannten Fischer von Gollwitz und sprach nur mit ihnen zunächst extraprotokollarisch weitläufig aus der Sache. Als Resultat solcher Besprechung ergab sich: Beide Comparenten wandten ein, daß das Aalsegeln allerdings von sämmtlichen Poeler Fischern auf der Gollwitzer Seeseite, auch in neuerer Zeit, betrieben werde. Dieselben sein aber, wenn anders sie von von ihrem Gewerbe leben sollten zu dieser

dieser Art Fischereibetrieb gezwungen, solange die die Wismarschen, die Wustrower, die Tessendorfer und namentlich die Alt Gaarzer Fischer, während der altherkömmlichen Schonzeit vom 1. Mai bis Jacobi jeden Jahres das Fischen mit der Zeise nicht unterließen. Das enge Netz der Zeise halte auch die junge Brut fest und werde dadurch dem Fischfange ein bei Weitem größerer Schaden zugefügt, als durch das s. g. Aalsegeln. Sie baten thunlichst dahin wirken zu wollen, daß während der angegebenen Schonzeit das Fischen mit der Zeise von den betreffenden Ortsobrigkeiten, namentlich zunächst von dem Großh. Amte Neubukow untersagt werde, wohingegen sie im Namen sämmtlicher Poeler Fischer das Versprechen geben zu können verneinten, daß von deren Seite das Aalsegeln fortan ganz, auch außer der Schonzeit unterlassen werde, event: wollen sie , die Comparenten gegen Contraventionen schon wachen, da sie von Gollwitz aus sehr wohl vermögte. Sie selbst wünschten nichts sehnlicher als das jede Art des mißbräuchlichen Fischfanges unterbleibe, da

da dasselbe nothwendig den Ruin sämmtlicher Betheiligter herbeiführen müsste. Sie würden sich daher, sobald von den genannten fremden Obrigkeiten gegen das Zeisen die erforderlichen Verbote erlassen wären, besonders angelegen sein lassen auf etwaige auch etwaige desfallige Contraventionen zu weiteren Maaßnahmen ungesäumt dem Amte anzuzeigen. Nur durch solche Überwachung der Fischer unter einander seien ihrer Meinung nach den Verboten gegen den mißbräuchlichen Fischfang nachdrückliche Geltung zu verschaffen. Auf besonderes Befragen erklärten Comparenten endlich noch, dass auch schon falls das Zeisen nur für die Monate Juni und Juli, der hauptsäch-lichen Aalbrutzeit, unterbleibe, sämmtliche Poeler Fischer das Aalsegeln unterlassen würden. Nach verlesenem und genehmigten Protocoll ist unter Entlassung der Vorgenannten geschlossen.
In fidem R. Jentzen
Amts…
Nachträglich wurde bemerkt, daß der Fischer Stein-

Steinhagen von Weitendorf sich früher bereits gegen den Diriganten (?) eben dahin wie nach obigem heute die Gollwitzer Fischer ausgesprochen
hatte.
 

In fidem

R. Jantzen

Adv.

Coll. R.Jantzen

Für Interessierte ist das Dokument in hoher Auflösung hier abrufbar.

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