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Ein interessanter Grabstein

in der Poeler Kirche

In der kleinen Eingangshalle der Poeler Inselkirche in Kirchdorf befinden sich, an den Wänden befestigt, mehrere Grabsteine. Ursprünglich waren diese im Fußboden der Kirche eingelassen und markierten somit die Grabstätten innerhalb der Kirche. Als das Kircheninnere und somit auch der Fußboden Mitte des 19. Jahrhunderts renoviert wurden, verschwanden auch die Grabgewölbe, die sich bis dahin unterhalb des Fuß-bodens befanden. Die Grabsteine kamen später nach mehreren Stationen an ihre heutigen Plätze. 

Einige dieser Grabsteine sind schon so alt, dass man heute nicht mehr weiß, für wen sie einst gefertigt wurden. Doch ein Stein weckt sicher bei dem einen oder anderen Besucher das Interesse. Es handelt sich um den Grabstein des Seedorfers Christian Friedrich Müller. Der Grabstein, oder besser die Grabplatte, stammt offenbar aus dem Jahr 1720 und ist, da sie lange Zeit im Fußboden der Kirche eingelassen war, nur noch teilweise lesbar, da sie zum Teil schon stark abgetreten ist. Doch wer fand einst hier seine Ruhe?




Auf dem Wappen, das sich auf der Grabplatte befindet, erkennt man eine
Taube, die auf einem Felsen sitzt und einen Zweig im Schnabel hält. 


Der heute noch lesbare Text im unteren Teil der Grabplatte ist in Latein verfasst und lautet:

ITADN CHRISTIAN FRIEDERICH MULLER
EX BASEDAU REQUIE VIT IN SEEDORFAE
BORIBUS SUIS DIE

   LIIXXIII         Ao  DOMINI
MDCCXIIX     AET LVII 

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Inschrift auf der Grabplatte

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Wappen auf der Grabplatte

Ein fast identisches  Wappen führte auch Johann Cornelius Müller, der von etwa 1720 bis 1741 als schwedischer Amtmann auf der Insel Poel lebte. Danach verzog Müller offenbar. Bisher ist mir wenig über diesen Amtmann bekannt: Verheiratet war Müller mit einer Tochter von Christian Friedrich von Wendtlandt, der einst Erbherr auf Vietlübbe und Tressow war. Am 9. Juli 1742 wurde Johann Cornelius Müller in den Reichsadels-stand erhoben. Weiterhin machte er Karriere als fürstlich-mecklenburgischer Rat und zuletzt als Geheimer Kammerrat. Wann und wo von Müller nach seiner Poeler Zeit lebte und starb, ist mir bisher nicht bekannt. Seiner Ehe entstammten aber mindestens zwei Töchter: Die 1730 auf Poel geborene Magdalena Catharina und die ebenfalls auf Poel im Jahr 1732 geborene Maria Catharina Friedrica. Bekannt sind auch noch zwei weitere, nicht auf Poel geborene Töchter. Alle vier Töchter lebten später in Klöstern und von Müller hatte somit keine weiteren Nachkommen.

Interessant ist nun der schon erwähnte Grabstein des Christian Friedrich Müller. War der hier erwähnte Christian Friederich Müller der Vater des Amtmanns Johann Cornelius von Müller? Denn neben der Wappengleichheit sprechen weitere Indizien für eine Verwandtschaft der beiden Müllers: Im Jahr 1733 stirbt Amtmann Müllers Mutter und 1741 seine Frau. Nach dem Kirchenbuch wurden beide in der Poeler Kirche beigesetzt. Bei der Taufe einer Tochter des Amtmanns wird eine Madame Müller zu Seedorf erwähnt! Ein Sterbeeintrag zu Christian Friedrich Müller findet sich in den Poeler Kirchenbüchern übrigens nicht - er war katholisch. Es liegt also nahe, dass Christian Friedrich Müller ein Verwandter des Amtmanns war. Nicht zuletzt, weil sich einen so prächtigen Grabstein nur die Wohlhabenden leisten konnten. Die bisher von mir herangezogenen Quellen lassen allerdings nur Vermutungen zu. Vielleicht kann ja irgendwann ein Besucher dieser Seite bei meiner Recherche weiterhelfen und das Geheimnis entschlüsseln?

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