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Die Kirche

Geschichtliches zur  Kirche und den Friedhöfen

Die Kirche

Die einzige Kirche der Insel Poel steht im Hauptort Kirchdorf, dem sie auch seinen Namen gab. Nach der Besiedelung der Insel durch erste deutsche Siedler zu Beginn des 13. Jahrhunderts bildete sich eine erste christliche Gemeinde. Der erste Kirchenbau begann vermutlich um das Jahr 1220 im Stil der Romanik. Eine erste Erwähnung der Poeler Kirche fällt in das Jahr 1259 in einem Verzeichnis der Kirchen und Klöster des Bistums Lübeck. Schnell wurde dieser erste Kirchenbau zu klein und schon Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die Kirche vergrößert. Das Langhaus wurde abgebrochen und unter Verwendung einiger Teile duch einen frühgotischen Neubau ersetzt sowie durch den Anbau eines Chors verlängert. Hierbei wurden Strebepfeiler und Dienste eingesetzt und Gewölbe eingespannt. Die Kirche bekam hohe Spitzbogenfenster und auch der Turm wurde um sechs Meter erhöht. Er erhielt wohl gegen Ende des 14. Jahrhunderts seine heutige Gestalt und hat heute eine Höhe von 47 Metern. Die Einführung der Reformation geschah hier nach Wittenberger Vorbild konservativ, so dass es zu keinem Bildersturm kam. Die beiden Altäre der Poeler Kirche blieben somit erhalten.   

Bis zur Reformation befand sich in der Kirche auch ein Lettner (Trennwand), der das Kirchenschiff vom Chor trennte. Über dem Lettner befand sich ein Balken, auf dem eine Triumphgruppe stand. Sie bestand aus einem Kruzifix, sowie einer Marien- und einer Johannesfigur. Der Lettner wurde im Laufe der Reformation entfernt und das Kruzifix hing bis 1850 in der Mitte der Kirche vom Gewölbe herab. Seinen heutigen Platz über dem Eingang zur Sakristei hat das Kruzifix seit Sommer 1851. 

Die Kirche hat eine vergleichsweise reichhaltige Ausstattung, auf die im Folgenden noch eingegangen wird. Als Besonderheit ist anzumerken, dass die Poeler Kirche die einzige Kirche in Mecklenburg ist, die von einer ehemaligen Festungsanlage umgeben ist.

Patronat: Von 1318 bis 1615 die von Stralendorff auf Goldebee und Preensberg, dann landesherrlich bis 1648. Während der Zugehörigkeit zur schwedischen Krone 1648-1803 Jus Patronatus beim jeweiligen Präsidenten des Wismarer Tribunals als herzoglicher Rechtsverwalter. Ab 1803 wieder landesherrlich.

Eine Liste der Poeler Pastoren von den Anfängen bis zur Gegenwart findest Du hier!

Eingang zum Friedhof
Die heutigen schmiedeeisernen Tore des Eingangs zum Friedhof wurden von dem Poeler Schmied Rudolf Körner in den Jahren 1968/69 angefertigt und der Gemeinde geschenkt. Sie ersetzten die alten Tore, die 1938 auf Geheiß des damaligen Bürgermeisters Schäfer (nicht mit mir verwandt!)  im Rahmen einer „Altmetall-Sammlung“ ohne Zustimmung und Wissen der Gemeinde entfernt wurden. Unmittelbar vor dem Eingang zum Friedhof befand sich einst das äußere Torhaus der Festung, dessen Kellergewölbe noch 1948 als Eiskeller genutzt wurden. Sie wurden nach einer archäologischen Ausgrabung vor vielen Jahrzehnten zugeschüttet. Das schöne Foto des Friedhofs-eingangs stellte mir freundlicherweise Zoe (Nina Mühl) (www.ramblingrocks.de) zur Verfügung. Danke Dir dafür!

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Die Kirche von Süden betrachtet
Hier zeigt sich die Kirche in ihrer vollen Schönheit. Keine Sorge, der Turm steht nicht etwa schief, sondern das Weitwinkelobjektiv meiner Kamera hat hier ganze Arbeit geleistet. Rechts unten, vom Gebüsch verdeckt, befindet sich die kleine Vorhalle mit dem heutigen Haupteingang. Das Dach des imposanten, 47 Meter hohen Turms wurde übrigens im Januar 1995 durch einen Orkan stark beschädigt. Nicht zuletzt Dank der Spenden- und Einsatzbereitschaft der Poeler konnte der Turm noch im selben Jahr saniert und neu eingedeckt werden. Seitdem ziert auch ein neuer vergoldeter Wetterhahn die Kirchturmspitze.

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Übergang vom Turm zum Dach des Kirchenschiffs

Hier erkennt man gut, dass das Kirchenschiff einst niedriger war als heute. An der Verbindung zwischen Kirchenschiff und Turm sieht man hier u.a. auch den Teil eines Rundbogenfensters, das nun durch das höhere Dach größtenteils verdeckt ist.



Nördliche Außenwand 
An der nördlichen Außenwand des Kirchenschiffs erkennen wir einen vermauerten Eingang, bei dem es sich wohl um einen "Fraueneingang" aus vorreformatorischer Zeit handeln soll. Rechts daneben sehen wir eine verputze Einbuchtung. Hierbei handelt es sich um eine alte Ofennische aus der Festungszeit, als die Kirche noch mit Anbauten versehen war, in denen u. a. die Soldaten der Festung untergebracht waren. Der kleine Anbau im Hintergrund ist die Sakristei - ein Nebenraum, der dem Pastor u. a. als Vorbereitungsraum für die Gottesdienste dient.

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Südliche Außenwand

Hier befindet sich heute der Haupteingang zur Kirche, der durch die kleine Vorhalle bzw. den Anbau führt. In der Vorhalle befinden sich mehrere zum Teil mittelalterliche Grabplatten, die ursprünglich an verschiedenen Stellen im Fußboden des Kirchenschiffs lagen. Nach verschiedenen Renovierungsarbeiten wechslten sie mehrfach ihre Stelle, bis sie hier endgültig ihren Platz fanden.


Der Hauptaltar
Der Hauptaltar befindet sich seit etwa 1420 an seinem heutigen Platz, der Apsis der Kirche. In der Mitte sieht man Christus als „salvator mundi“, dem Retter der Welt, die Weltkugel in der Hand haltend. Mit der rechten Hand segnet er die gekrönte Maria. Rechts neben Christus sieht man u.a. St. Nikolaus und Paulus mit Schwert. Links neben Maria stehen u.a. Johannes der Täufer, Petrus, Johannes, Jakobus, Matthäus, Andreas und Jakobus. Unterhalb der Apostel sind Frauen in Halbgestalt abgebildet. Es handelt sich um weibliche Heilige, die zur Entstehungszeit des Altars sehr beliebt waren, u.a.: Appollonia, Cecilia, Ursula, Gertrud, Barbara, Dorothea, Margaretha, Maria Magdalena, Agnes, Katharina, Elisabeth v. Thüringen und Agathe.

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Der kleine Altar
Der kleinere Altar, heute an der Nordwand, befand sich ursprünglich als Aufsatz auf dem Hauptaltar. Entstanden um 1470 zeigt er die Madonna im Strahlenkranz, ein in der damaligen Zeit beliebtes Motiv. Auf einer umgedrehten Mondsichel steht die gekrönte Maria, umgeben vom himmlischen Glanz. Sie trägt auf dem linken Arm das Jesuskind mit einem Apfel. In der rechten Hand hält Maria eine Blume. Um Maria sieht man vier Engel mit Musik-instrumenten. In den beiden Flügeln des Altars sieht man Szenen aus dem Leben der Maria. Oben links die Ankündigung der Geburt Jesu durch den Engel Gabriel, darunter die Beschneidung Jesu im Tempel zu Jerusalem. Rechts oben sieht man die Weihnachtsgeschichte und darunter die Huldigung Christi durch die heiligen drei Könige.

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Die Orgel
Um 1704 erfolgte der Neubau der Orgel durch den Rostocker Orgelbauer Caspar Sperling für die Neuklosteraner Kirche. Im Jahr 1740 erwarb die Poeler Gemeinde die Orgel für die Kirchdorfer Kirche. Dafür wurde der große Bogen zugemauert und die zweigeschossige Empore gebaut. 1851 befand sich die Orgel in sehr schlechtem Zustand. Pedal und 5 Register waren völlig unbrauchbar. 1871 wurde die Orgel durch Orgelbauer Winzer aus Wismar überholt. Vier Jahre später erfolgte durch Orgelbauer Mehmel der Einbau eines neuen, romantischen Klangwerks in den barocken Prospekt. Von 1969-1983 erfolgte ein Um- bzw. Neubau der Orgel unter Wiederverwendung vorhandenen alten Materials wie dem Gehäuse durch den Plauer Orgelbauer Wolfgang Nußbücker.

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Der Kronleuchter
Der im Langhaus hängende Kronleuchter aus Messing wurde im Jahr 1656 von dem Brandenhusener Bauern Peter Evers gestiftet. Der ursprünglich sechzehnarmige Leuchter (einer fehlt) trägt die Inschrift: GOTT ZU EHREN UND DER KIRCHE ZU PÖHL ZUR ZIERDE HAT PETER EVERS V. BRANHUSEN DIESE CRONE VEREHRET. ANNO 1656. Eine weitere Inschrift besagt, dass DANIEL HINRICH EVERS sie 1719 hat renovieren lassen und eine dritte lautet: J. H. EVERS BRANDENHUSEN 1836. Der auf Poel inzwischen längst ausgestorbene Brandenhusener Zweig der Familie Evers sorgte lange Zeit für die Kerzen wie auch den für den Erhalt und die Pflege des Leuchters. Peter Evers, der Stifter des Kronleuchters, wurde übrigens direkt unter dem Leuchter im Gang des Kirchenschiffs begraben.

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Das Votivschiff
Aufgestellt an der Nordwand befindet sich das Modell eines Zeesbootes, welches der Kirchdorfer Richard Schwarz 1936 maßstabsgetreu baute. Als Vorbild diente ihm das Boot seines Bruders Gustav Schwarz. Dieser hatte sein Boot seinerzeit auf Fehmarn bauen lassen und fischte mit diesem in den Poeler Gewässern. Die Anregung zum Bau des Modells kam vom damaligen Poeler Pastor Lewerenz. In einer Feierstunde der Kirchgemeinde wurde das Modell auf einem Podest, gebaut vom Kirchdorfer Tischler August Rebien an seinem heutigen Platz aufgestellt. Auf Anregung des dabei anwesenden Landessuperintendenten Hurtzig wurde ein dreigliedriges Gebet als Unterschrift angebracht: „Herr segen uns dei Seefohrt, stüer uns dei Lewensfohrt, schenk uns dei Himmelsfohrt“

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Gedenktafeln in der Kirche

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Gedenktafel für die Veteranen aus den Jahren 1808/1815,
aus Holz mit sechs Namen.

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Gedenktafeln für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, (3 Tafeln)
1. Tafel mit Widmung.

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2. Tafel mit Namen der Gefallenen und Vermissten, geordnet nach Dörfern.

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3. Tafel mit Namen der Gefallenen und Vermissten, geordnet nach Dörfern.


Grabsteine ln in der Kirche

In früheren Zeiten fanden auch Bestattungen in der Kirche statt. Das war damals nur wohlhabenderen Menschen vorbehalten, denn die Kauf-gräber in der Kirche waren recht teuer. Die Grabplatten waren ursprünglich in den Fußboden eingelassen, wurden zu Beginn des 20. Jhdt. bei der Erneuerung desselben aufgenommen und an den Kirchenwänden befestigt. Sie wechselten im Lauf der Zeit offenbar noch mehrfach ihren Platz. Die letzte Beisetzung in der Poeler Kirche erfolgte lt. Kirchenbuch am 8. Oktober 1813. Erhalten sind in diesem Zusammenhang einige Grabplatten, die sich heute an verschiedenen Stellen in der Kirche befinden.

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Grabplatte Müller

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Grabplatte Schwarz

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Minuskel-Grabplatte

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Grabplatte mit Scheibenkreuz

Grabplatte Müller: In der Vorhalle befindet sich die Grabplatte des Seedorfer Gutsbesitzers Christian Friedrich Müller aus dem Jahr 1718. Im Zentrum des Steins befindet sich das Familienwappen, welches eine Taube mit Ölzweig darstellt. Das Wappen ähnelt stark dem des Poeler Amtmanns Johann Cornelius (von) Müller. Eine Verwandtschaft zu diesem liegt daher nahe. Der Stein ist in der Mitte zerbrochen und wurde wieder zuammengefügt.

Grabplatte Schwarz: Ebenfalls in der Vorhalle befindet sich ein weiterer Stein. Es handelt sich hier sehr wahrscheinlich um die Grabplatte des Oberschulzen des schwedischen Teils der Insel Jochim Schwarz, der wohl Ende des 17. Jhdts. starb . Der obere Teil des Steins ist stark abgetreten und bis auf den Namen ,,Jochim Schwarz“ nicht mehr lesbar. Im Zentrum des Steines befindet sich in einem wappenähnlichen Rahmen eine Hausmarke in Form eines  gevierten Qudrates.

Minuskel- Grabplatte: Ebenfalls in der Vorhalle befindet sich ein Grabplatte mit Minuskel-Umschrift aus dem Jahr 1400. Die Umschrift lautet: Ano ∙ dni ∙ mcccc ∙ | l (Lücke) o ∙ nicola ∙ t ∙ 0r ∙ p ∙ ro | Ano ∙ dni ∙ mcccc ∙ | l (Lücke) o ∙ margareta ∙ bror ei ∙ or p cis | ano dni mcccc ∙ li Jn ∙ die ti ∙ ieronimi o ∙ iohes ∙ munt ∙ fili | eor ∙ or p co 

Minuskel- Grabplatte (ohne Bild): Ein weiterer Stein in der Vorhalle. Text nicht mehr lesbar.

Minuskel- Grabplatte (ohne Bild): Ein weiterer Stein in der Vorhalle. Text nicht mehr lesbar.

Grabplatte mit Scheibenkreuz: Im Chor der Kirche, rechts neben dem Hauptaltar, ist eine aus gotländischen Kalkstein gefertigte Grabplatte zu sehen. Sie ist dänischen Ursprungs und in ihrer Art in Deutschland einmalig. Die Platte stammt aus der frühesten Zeit der Christianisierung der Insel aus der Zeit um 1250. Der inschriftlose Stein zeigt ein erhaben herausgearbeitetes Scheibenkreuz mit Schaft. Der untere Teil ist schon vor langer Zeit abgebrochen und verloren gegangen. Bis 1850 lag die Grabplatte noch, wie die anderen in der Mitte der Kirche. Frühgotische Grabplatten mit einem derartigen Kreuz sind sonst nur aus dem dänischen Raum bekannt. Diese ist die einzige, die bisher in Mitteleuropa aufgefunden worden ist. Schon im 19. Jahrhundert behauptete der Mecklenburgische Historiker und Archivar Friedrich Crull, dass diese Grabplatte möglicherweise das älteste christliche Grabmal Mecklenburgs darstellt. Das Scheibenkreuz mit seinen konvexförmigen Armen will die Auferstehungsherrlichkeit des Gekreuzigten Jesus darstellen und mit dem Kreuzsymbol verbinden. 

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Grabplatte Junge

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Grabplatte Walters

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Grabplatte Mieddendorff

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Fragmente

Grabplatte Junge  Die wie die folgenden im Boden der Sakristei eingelassene Platte trägt die Inschrift: HIER ∙ LIEGET ∙ BEGRABE ∙ JVNGFER ∙ ANNA MAGDALENA ∙ HERRN ∙ CHRISTOFFER ∙ JVNGEN ∙ KÖNIGL. SCHWEDISCH AMBTMANN ZV PÖEL LEIBLICHEN TOCHTER ANNO 1682 DEN 18. JANVARŸ 

Grabplatte Walters  Der zweite Stein in der Sakristei mit der Inschrift: IN CRATIAM DVORVM MATRIMONII PIGNORVM PIE DEFVNCTORVM IN PARTV DN: HENRICI WALTERS CAPIT ET. R. S.M.P.C.P. PRIORIS ANNVS 1650. DIES 3. NOVEMB: POSTERIORIS ANNVS 1651 DIES. 14 SEPTEMB HIC TVMVLVS SERVAT LECTOR DVO PIGNORA WALTERS CANDIDA PER SOMNUM SPECTANTIA CAVDIA IESV

Grabplatte Mieddendorff  Aufschrift: Aō ∙1638 ∙ den 20 Febru Jst seliglich vorschide Zaharias Mieddendorff seines Alters 40 Wochen 2 ∙ tag ∙

Fragmente  Einige weitere Grabsteinfragmente im Boden der Vorhalle und der Sakristei, u. a. datiert auf die Jahre 1634, 1636 und 1652.


Hausmarken  am Hauptaltar

Auf der Rückseite des Altarmittelteils finden sich in den beiden unteren Ecken zwei rechteckige Malereien, die direkt auf die Altarrückseite aufgetragen wurden. Die plastisch wirkenden Rahmen sind gemalt! 




Links einen Spruch aus dem ersten Korintherbrief, Kapitel 10: „Das brodt das wir brechen ist das nicht die gemeinschaft des Leibes Christi?“, darunter zwei wappenähnliche Bilder, welche in ihrem Zentrum eindeutig Hausmarken darstellen. Links die von Asmus Lemmcke und rechts die von Hinrich Stenhagen. Die Familien Lembke und Steinhagen gehören zu den ältesten, noch heute auf Poel existierenden Familien und sind seit 1357 bzw. 1519 auf der Insel nachweisbar. 

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Auf der rechten Malerei findet sich ebenfalls ein Spruch aus dem ersten Korintherbrief, Kapitel 10: „Der gesegnete kelch den wir segnen ist der nicht die gemeinschaft des blutes Christi?“ Darunter wieder eine Abbildung, die mehr einem Wappen als einer Hausmarke ähnelt. Denn sie zeigt keine abstrakten Symbole, sondern eine Mondsichel und einen Stern. Dazu der Name Jochim Bernit. Die Bernitts waren ebenfalls eine seit mindestens 1519 auf Poel ansässige, aber inzwischen längst ausgestorbenen Familie.


Mehr zum Thema Poeler Hausmarken findest Du hier!

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Die Friedhöfe

Poel hat zwei Friedhöfe, die sich beide in Kirchdorf befinden:

Der neue Friedhof an der Kirche:

Gelegentlich wird dieser Friedhof als der ältere angesehen. Tatsächlich diente das Gelände um die Kirche vor dem Festungsbau schon einmal als Friedhof. Davon zeugen Berichte aus älteren Zeiten. Mit dem Festungsbau unter Einbezug der Kirche wurde das Gelände um die Kirche dann aber nicht mehr als Begräbnisplatz benutzt. Nachdem der Friedhof an der Wismarschen Straße dann trotz mehrerer Erweiterungen nicht mehr ausreichte, beantragte der Poeler Pastor Witte im Jahr 1877, das Gelände um die Kirche wieder zu einem Begräbnisplatz umzuwidmen. Dem wurde am 30. November 1882 mit dem “Regulativ betreffend Einrichtung und Erhaltung des neuen Begräbnisplatzes zu Kirchdorf“ entsprochen. Von Beginn an galt: Kaufgräber fielen nach 30 Jahren Nutzung zurück an das Aerar, Erbbegräbnisse verblieben solange bei den Eigentümern, wie diese dafür aufkamen bzw. diese unterhielten.  Der Friedhof an der Kirche hat eine Ausdehnung von etwa 6.000 Quadratmetern und ist durch die Wallanlagen natürlich begrenzt.

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Rechts: Vor der Kirche gegenüber dem Eingang steht ein Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs, errichtet
1995, aus Feldsteinen gemauert und mit eingelassenen Steinplatten; darauf der Text:
"DONA NOBIS PACEM Unsern Opfern des 2. Weltkrieges -

Die Inselgemeinde Poel 1939-1945" 
Eine Liste der in den beiden Weltkriegen Gefallenen und Vermissten Poeler findest Du hier!

Der alte Friedhof an der Wismarschen Straße:

Dieser Friedhof wurde im Zuge des Festungsbaus von der Kirche weg an seinen heutigen Platz verlegt und erstreckt sich über den sog. Blootbarg, dem Rest eines alten slawischen Burghügels. Dieser Friedhof besteht aus einem ,,alten” Teil, der heute noch dadurch zu erkennen ist, dass dieser etwas erhöht liegt und sich teilweise noch mit einer Steineinfassung vom restlichen Friedhofsgelände abgrenzt. Bereits 1834 sollte der Friedhof vergrößert werden, es stellten sich aber so viele Hindernisse in den Weg, dass die herzogliche Landesregierung nach mehrfache Verhandlungen eine Verlegung des Begräbnisplatzes außerhalb des Dorfes verfügte, wozu es allerdings nicht kam. Schon 1843 sollte der Friedhof dann wieder an die Kirche verlegt werden, was vorerst jedoch nicht umgesetzt wurde.

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Links: Das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des ersten Weltkriegs, ein weiteres, aus Feldsteinen gemauertes Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs befindet sich auf dem alten Friedhof an der Wismarschen Straße. Es hat im weitesten Sinne die Form eines Pyramidenstumpfs mit vier an den Seiten eingelassenen Steinplatten; darauf 77 Namen von Gefallenen und Vermissten. Im Hintergrund die 1970 von der Gemeindeverwaltung erbaute Trauerhalle. 

Noch um 1851 war der alte Teil des Friedhofs nach den eingepfarrten Ortschaften unterteilt, so dass jedes Poeler Dorf seinen eigenen Bereich hatte. Der alte Teil war baumlos und die Grabstellen waren unregelmäßig verteilt. Auch waren noch keine Wege angelegt. Im Jahr 1846 wurde der Friedhof dann an der Süd- und Westseite erheblich erweitert. Auf Wunsch vieler Gemeindemitglieder sollten diese neuen Grabplätze als Familien-begräbnisse verkauft werden. Dieser neu geschaffene Bereich sollte aber aus Gründen der Raumersparnis in fortlaufender Reihenfolge belegt werden. ,,Selbstmörder” wurden an einer abgesonderten Stelle des Friedhofes begraben. Im Jahr 1922 wurde der Friedhof erneut umgestaltet. In seinem heutigen Zustand hat der Friedhof die Form eines unregelmäßigen Fünfecks und wird an der Nord- und Westseite durch eine flache Feld-steinmauer begrenzt. Er erstreckt sich über eine Fläche von etwa 10.500 Quadratmetern. Die Trauerhalle (für weltliche Trauerfeiern) ließ 1970 der Rat der Gemeinde Insel Poel erbauen.

Auf dem alten Kirchdorfer Friedhof findet man heute u. a. noch die alten Familiengrabstätten der Familien Wegener-Weitendorf, Steinhagen-Einhusen, Haland-Timmendorf, Vieth–Malchow und Beyer–Niendorf. Auf der Familiengrabstätte Prof. Hans Lembke befindet sich weiterhin der älteste Grabstein des Friedhofes (Erbpächter Joachim Lembke, 1794-1875).

Der untenstehende Plan zeigt einen Teil des alten Friedhofes an der Wismarschen Straße: Die Grabstätten 1 bis 22 markieren den 1846 neu geschaffenen südwestlichen Friedhofsteil, der etwa bis zum Hauptweg (Eingang-Kriegerdenkmal-Trauerhalle) reicht. Die meisten Erbbegräbnisse existieren heute allerdings nicht mehr. Sie sind jedoch noch teilweise an den alten schmiedeeisernen Einfassungen bzw. Zäunen zu erkennen. Die Zuordnung der Grabstätten 1 - 22 zu den Familien war möglich durch einen erhaltenen Plan aus den 1850er Jahren. Die auf der untenstehenden Karte dunkel eingefärbten Felder markieren die heute (2020) noch existierenden Erbbegräbnisse. Der nördliche,  d.h. ältere Teil des Friedhofes, rechts des Hauptweges ist hier nur teilweise abgebildet. Die Grabstätten 27 und 28 sind zudem jüngeren Datums.



1     Steinhagen - Fährdorf
2     Lembke - Malchow
3     Sprenger/Albrand - Fährdorf
4     Steinhagen - Vorwerk
5     Schwarz - Vorwerk
6     Oberschulze Steinhagen
7     Steinhagen - Gollwitz
8     Evers - Malchow
9     Beyer - Niendorf
10   Vieth - Malchow
11    Evers - Vorwerk 
12   Haland - Timmendorf

13   Heinr. Evers - Wangern
14   Steinhagen - Neuhof
15   Calsow - Timmendorf
16   Evers - Brandenhusen
17   Hans Evers - Wangern
18   Chr. Steinhagen - Niendorf
19   Wegener - Brandenhusen
20   Lembke - Fährdorf
21   Beyer - Timmendorf
22   Pet. Steinhagen - Niendorf
23   Bosselmann - Kaltenhof
24   Pastor Hempel - Kirchdorf
25   Wegener - Weitendorf - Hof
26   Steinhagen - Einhusen
27   Eggers - Weitendorf - Hof

28   Prof. Lembke - Malchow

A: Trauerhalle  
B:  Kriegerdenkmal  
C:  Insel-Apotheke

Das Pfarrhaus

Ursprünglich befand sich das Pfarrgehöft westlich der Kirche an der Straße nach Weitendorf. In der Amtszeit von Pastor Eichholz, also in der Zeit zwischen 1647 und 1675 wurde das Pfarrgehöft – wie einige Jahrzehnte zuvor zuvor auch der Friedhof – von der Kirche weg in den Norden von Kirchdorf verlegt. Über das seinerzeit dort neu errichtete Pfarrhaus bzw. -gehöft liegen ausführliche Beschreibungen vor. Das heutige Pfarrhaus in Kirchdorf wurde im Jahr 1846 neu und nicht ganz an der selben Stelle des alten erbaut. Ursprünglich gehörten zum Pfarrgehöft noch weitere Gebäude wie Viehstall, Scheune, Schweinestall und Backhaus. Heute ist neben dem Pfarrhaus noch ein altes Nebengebäude erhalten. Der erste Pastor, der in diesem neuen Pfarrhaus lebte, war Theodor Hempel, der von 1843 bis 1880 im Amt war und auf dem alten Friedhof seine letzte Ruhe fand.

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Das Pfarrhaus um 1890

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Das Pfarrhaus um 1935

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Das Pfarrrhaus heute

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Die Poeler Kirche bei Nacht
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